Zwei Kölner auf Reisen - ein Besuch auf der INNATEX34

Zwei Kölner auf Reisen – ein Besuch auf der INNATEX34

Ein Gastbeitrag von Marc Schwerdorf

Hi an alle KKN-LeserInnen, da meine Freundin Diane und ich uns ein Crossover-Gründungskonzepte im Bereich Bio Food / Catering / Nachhaltige Kinderbekleidung aufbauen wollen, war ein Besuch der „INNATEX34“ in Frankfurt Ende Januar extrem wertvoll für uns.

Unsere Erfahrungen und Eindrücke auf der Messe möchte ich in diesem Blogpost gerne an Euch weitergeben.

Worum geht es bei dieser Messe ?

Um sich über nachhaltigen Textilvertrieb und textile Produktgruppen informieren möchte, gibt es keinen besseren Ort, als die internationale Fachmesse INNATEX im Ardek-Center Rhein-Main Wallau bei Frankfurt am Main und Wiesbaden, die zwei Mal im Jahr, jeweils im Winter und Sommer stattfindet.

Die INNATEX34, unter Messeleitung von Alexander Hitzel, ist die weltweit einzige internationale Fachmesse für nachhaltige Textilien, die neben dem klassischen Bekleidungssektor auch zahlreichen weiteren textilen Produktgruppen wie Accessoires, Heimtextil, Stoffen, Spielzeug u.v.m. eine einmalige Vertriebs- und Kommunikationsplattform bietet.

Seit der ersten INNATEX im Jahr 1997 behauptet sich diese Messe als größte Plattform weltweit in diesem Segment. Nachaltige Textilien aus Naturfasern, ehemals noch Nischenprodukte, erfreuen sich weltweit  immer stärkerer Beliebtheit. Wollte man ursprünglich noch möglichst natürliche und naturbelassene Fasern, so liegt das Augenmerk nun zusätzlich auf besonders ökologischen und sozialen Anbaumethoden der Rohstoffe.

Um bei dieser Messe als Händler und Anbieter zugelassen zu sein, müssen diverse Zulassungskriterien erfüllt werden:
„Nur Anbieter deren ausgestellte Textilware zu mindestens 70% aus Naturfasern besteht, können an der Messe teilnehmen. Angeregt durch die Schirmherrschaft des IVN, dem Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V., hat die INNATEX einen mehrstufigen Plan zur weiteren Anpassung der Zulassungskriterien für die folgenden Jahre entwickelt. Bereits ab der Frühjahrsmesse im Jahr 2011 wurde ein 10%iger Anteil an Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) für alle Aussteller mit Textilsortiment vorausgesetzt.“

Ich muss zugeben, ich war bis dato unbedarft, was den „LOHAS Lifestyle“ angeht, jedoch überrascht wie vielfältig sich diese Messe für mich dargestellt hat.

Wer „Ökologische und Nachhaltige Mode“ mit Jutebeuteln und extrem groben Leinenstoff assoziiert, wird ganz klar positiv enttäuscht! Uns bot sich ein wirklich extrem professionelles und breites Spektrum an internationalen Händlern und Waren sowie sehr beindruckenden Standaufbauten.
Wir waren beeindruckt, wie weit sich das Spektrum der nachhaltigen Textilien fassen lässt.

Aber es geht ganz klar nicht nur um Stoffe. Auf der Basis von z.B. Bio-Baumwolle, Hanf, Peace-Silk, Stoffen aus Bananenschalen, Soja- oder Recyclingfasern wurde Kleidung für Erwachsene, Kinder und Säuglinge angeboten. Darüber hinaus auch Spielzeuge, Puppen, Stofftiere, Babytragen und Wippen, sowie eine Vielzahl mehr. Man erkennt ganz klar am stetigen Wachstum dieser Messe, wie sehr sich der Trend zu einem Zeitgeist unserer Generation entwickelt. Weg von Einmalprodukten aus Niedriglohnländern. Weg von Ausbeutung von Menschen, Industrie und Ökokreislauf. Weg von giftigen und nicht nachhaltigen Materialien. Es zeigte sich uns, dass der Mensch durchaus umdenken und neue, bessere Wege gehen kann.

Im Mittelpunkt der Messe liegt ganz klar die „suitable Fashion“, Stoffe, Mode und Kleidung, die jederzeit im Alltag, zu Events oder auch im Business tragbar sind und hohen Komfortansprüchen entsprechen, die jedoch auch trotz der höheren Produktionskosten und manuellen Aufwände durchaus bezahlbar sind. Hier haben sich z.B. optimierte Herstellungsverfahren ausgezahlt.

Was mich ebenfalls beeindruckt hat…die Begeisterung und der Enthusiasmus der Händler für Ihre Produkte. Die unglaubliche Freude, das aufgebaute Know How und die Innovationskraft mit der die Menschen ihre nachhaltigen Produkte entwickelt haben und vertreiben.

Unser erstes Interview haben wir mit Michael Proch von „Monalito“ geführt. Er und seine Frau Romana sind uns direkt mit ihrem innovativen Messestand aufgefallen, wo sie u.a. mehrere „Baby-Pendulos“ zum Testen aufgebaut und bereitgestellt haben. Worum geht es hier?

„Hierbei handelt es sich um eine Federwiege, die als flexible Beruhigungs- oder Einschlafhilfe für die ganz kleinen Erdenbürger genutzt werden kann, solange diese noch nicht selbständig sitzen können. Es besteht aus einer Stoffhängewiege mit Matratze, einer Stahlfeder mit Sicherheitsseil und Kette sowie einem Holzstab. Natürlich alles in TÜV-geprüfter Qualität sowie ökologisch, fair und überwiegend in
Deutschland hergestellt. Das Baby-Pendulo ist klein und leicht und kann mit verschiedenen Halterungen (Haken für Decke / Zange für Türrahmen) daher sowohl in Räumen als auch im Garten oder Park verwendet werden.

Da wir unseren 8 Monate alten Sohn Nicolas dabei hatten, wurde direkt getestet. Nicolas fühlte sich auf Anhieb sehr wohl und wir wippten ihn ein bisschen darin, während wir das Interview führten.

Michael und Romana stellten sich als unglaublich sympathisches Paar heraus, die extrem viel Arbeit und Innovation in das Baby-Pendulo investiert haben. Seine Wurzeln hat das Pendulo in Neuseeland. Michael hat ein ähnliches Produkt aus der Schweiz bereits ca. 3,5 Jahre vertrieben, wollte jedoch auch eigene Ideen hier einfließen lassen. Nach fast 18 Monatiger Entwicklungszeit war das Baby-Pendulo reif für den Markt. Was macht es aber so besonders ? Laut Michael vor allem diese Punkte:

Keine Kompromisse bei
1. Sicherheit (TÜV geprüft!),
2. Ökologie/Nachhaltigkeit (Rohstoffe aus Brandenburg / Umgebung)
3. Qualität (höchste Ansprüche an alle Komponenten, insbesondere den Stoff und seinen Webung)

Das Pendulo ist “Made in Germany”, die Verpackung ist aus nachhaltigen Materialien, alle Teile sind einzeln nachkaufbar. Der Vertrieb erfolgt direkt über die Website von Monalito, Partner und Hebammen. Michael und Romana kaufen die Pendulos auch nach Nutzung für 50 € wieder zurück und stiften sie an soziale Einrichtungen (z.B. Frauenhäuser). Auch die Einkaufspreise für Händler erschienen mir in Anbetracht der Innovationen und der Aufwände, die hier enthalten sind extrem fair.

Nach einer kurzen Stärkung im gut besuchten INNATEX Bio-Cateringbereich ging es weiter. Es war überraschend für uns, wieviele Anbieter sich auf Kinderbekleidung spezialisiert haben. Hier fiel uns direkt der große, bunte und sehr stark besuchte Stand von „Frugis“ auf. Frugis ist grundsätzlich auf nachhaltige Kindermode bis ca. 8 Jahre spezialisiert.

Kate vom Frugis Messeteam war so freundlich uns das Label im Detail vorzustellen: Jedes Frugi-Teil ist “In House designed” und wird aus 100% Bio-Baumwolle unter Fair-Trade-Bedingungen hergestellt. Die Gründer des Labels sind Lucy & Kurt. Da die beiden bei ihrem ersten Kind 2004 nur Baumwollwindeln verwenden wollten, gerieten sie schnell in die Situation, keine Kleidung zu finden, die über die Baumwollwindeln passten.

Also machten Sie aus der Not eine Tugend und gründeten das Label Cut4Cloth, mit der Prämisse, nur organische Materialien in spezieller Größe für Ihre Babybekleidung zu verwenden. Der Erfolg blieb nicht lange aus, was zu der Entscheidung führte, das Angebot auch auf Kleidung für Kinder und Mütter zu erweitern. In 2008 wurde das Label in Frugis umbenannt (lat. Früchte der Erde).

Das Frugis-Team wächst stetig und besonders stolz ist Frugis nicht nur auf die herausragende Stoffqualität all Ihrer Produkte, sondern auch auf die wirklich wundervollen bunten Designs des eigenen 3-köpfigen Inhouse Designerteams.

Wir wünschen dem Frugis-Team alles Gute und ganz viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg und sind immer noch ganz angetan von den tollen Designs!

Nach diese supernetten Kontakt und vielen neuen Impressionen lag ein Messevortrag noch in unserem starken Interesse: Sabine Lydia Müller (SYMBIOSE EINS*, Köln) referierte zum Thema: „Facebook: Eine Welt für sich – Social Media als Marketingtool entdecken“

Hier gab es jede Menge Fakts und Wissenswertes, wie man als Unternehmen seine Postings so optimiert, um auf Social Media Platformen wie Facebook optimale Aufmerksamkeit in Zielgruppen zu erreichen. Alle Fragen im täglichen Selfmarketing wie u.a. „Wie können mehr „Likes“ für eine Seite oder für Beiträge generiert werden? Wie funktioniert Facebook-Werbung und wie teuer ist so etwas?“ wurden aufgegriffen und erläuert. Zudem war der gesamte Vortrag als offener Workshop gestaltet, so dass es immer die Möglichkeit gab Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen, was bei den Zuhörern und uns besonders gut ankam.

Leider mussten wir kurz danach weiter zum nächsten Event, denn der Besuch der Foodmesse „Veggie World” in Wiesbaden stand ebenfalls noch auf dem Plan.

Wie wir später erfahren haben, konnte sich die Bilanz der Messe mehr als sehen lassen: „Mit 2.014 Besuchern kamen insgesamt 8 Prozent mehr als auf der bislang erfolgreichsten Messe im Jahr 2009. Die Zahl der Aussteller hatte mit 280 Labels einen neuen Höchststand erreicht. Unter ihnen waren über 30 Erstaussteller. Ein spannender Programmpunkt für Besucher und Aussteller waren die klassischer inszenierten Fashionshows. Sie glänzten mit einer neuen Choreographie und setzten die Labels attraktiv in Szene. Am Messe-Sonntag fand eine Paneldiskussion mit über 70 Besuchern große Aufmerksamkeit.”

Unser Fazit

Danke liebe INNATEX34 für die zahlreichen Impressionen und weiterhin ganz viel Erfolg – und vielleicht sehen wir uns wieder auf der INNATEX35, die vom 2. bis 4. August 2014 stattfindet.