Zu Besuch beim … Netzwerk Urbanes Grün Köln (NUGK)

Zu Besuch beim … Netzwerk Urbanes Grün Köln (NUGK)

Der Wunsch nach gesunder Ernährung und gemeinschaftlichem Gärtnern in der Stadt wird auf breiter Front diskutiert und in der Gründung neuer Initiativen verwirklicht. Gemeinschaftsgärten können der Ausgangspunkt für bürgerschaftliche Beteiligung an der Stadtgestaltung und Quartiersentwicklung sein. Ich habe mich mit Ute Becker vom Netzwerk Urbanes Grün Köln (NUGK) und dem Haus der Architektur (hdak) und Birgit Scherer vom VHS Biogarten Thurner Hof getroffen, um mit ihnen über das NUGK zu sprechen.

Wie ist das NUGK entstanden?

„Die Idee die verschiedenen Initiativen zu vernetzen und ihren Meinungsaustausch zu fördern, ist auf einer Veranstaltung des hdak zum Thema Urban Gardening aufgekommen. Aus diesem Gedanken heraus wurde Anfang 2012 das NUGK gegründet“, erzählt Ute. Zunächst trafen sich die Kölner Gemeinschaftsgärten Gartenbahnhof Ehrenfeld, NeuLand und die Pflanzstelle in Kalk, um gemeinsam Herausforderungen anzugehen und mit der Stadt kommunizieren zu können. Inzwischen umfasst das Netzwerk diverse Gärten sowie Initiativen zum Baum- und Grünflächenschutz und zur grünen Stadtentwicklung.

Was macht das NUGK?

Neben dem regelmäßigen, monatlichen Austausch, organisiert das NUGK im Frühjahr eine Saatgutbörse. Außerdem finden in Zusammenarbeit mit dem Biogarten Thurner Hof und der VHS jährlich zwei Pflanzentauschbörsen statt: die nächste am 3. Mai im Thurner Hof. Darüber hinaus tritt das NUGK mit einem Aktions- und Informationsangebot bei Veranstaltungen wie dem Tag des guten Lebens auf. „Gemeinschaftsgärten sind ja in Köln momentan sozusagen virulent. Überall passiert gerade etwas: Aktuell beispielsweise am Ebertplatz oder im Pantaleonsviertel. Eines unserer Ziele ist es, dass in jedem Veedel ein Garten entsteht“, so Ute.

Mit welchen Schwierigkeiten hat das NUGK zu kämpfen?

„Wir sind überfordert mit dem riesigen Aufgabenberg, da wir alle ehrenamtlich arbeiten“, erzählt Birgit. Das NUGK wünscht sich hier mehr Unterstützung von der Stadt Köln — etwa in Form einer Website mit Informationen zu allen Kölner Gemeinschaftsgärten sowie Regularien und Tipps für die Gründung eines neuen urbanen Gartens. Vorbild dabei könnte Paris sein, das eine solche Website zu den „jardins partagés“ betreibt.

Was waren bislang die schönsten Erfolgserlebnisse des NUGK?

„Besonders freut uns, dass die Stadt uns mittlerweile als Gesprächspartner anerkennt“, meint Ute. „Wir sind nicht mehr bloß die „grünen Spinner“, sondern unsere Kompetenz wird tatsächlich abgefragt.“ So ist das NUGK aktuell zum Thema „Essbare Stadt“ in Gesprächen mit dem Amt für Landschaftspflege und Grünflächen. „Auch die letzte Saatgutbörse hat von A bis Z wunderbar funktioniert. Auf- und Abbau haben problemlos geklappt, wir hatten sehr viele Besucher und die Atmosphäre war entspannt“, fügt Birgit hinzu.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?

„In Bezug auf einen Garten bedeutet Nachhaltigkeit beispielsweise, dass auf Pestizide verzichtet und Regenwasser genutzt wird. Außerdem sollten Erfahrungen und Pflanzen untereinander getauscht werden, damit man auf Saatgut der Großkonzerne verzichten kann, das in der nächsten Saison nicht mehr keimt“, erläutern Ute und Birgit gemeinsam ihre Vorstellung vom nachhaltigen Gärtnern. Darüber hinaus betonen sie die Aspekte Demokratie und Soziales — „denn nur wenn möglichst viele Menschen mitmachen, ist Nachhaltigkeit überhaupt möglich und mit den Gärten können inklusive, stadtentwicklungs- und beteiligungskulturelle Ziele erreicht werden“.