Zu Besuch bei … green guerillas

Zu Besuch bei … green guerillas

Während nachhaltige Ernährung in Köln bei einem stetig größer werdenden Angebot von Bio-Supermärkten oder veganen Cafés immer einfacher zu werden scheint, ist es beim Thema Mode für Viele deutlich schwerer ihren Überzeugungen treu zu bleiben. Doch nachhaltig leben und sich schön kleiden muss kein Widerspruch sein. Das zeigen Kai Tettenborn und Marlies Binder mit ihrem Laden green guerillas. Wir haben mit Marlies über ihr Unternehmen, ihre Philosophie und die Auswirkung von Fast Fashion auf Produktionsbedingungen gesprochen.

Was macht ihr bei green guerillas?

Wir führen seit April 2011 einen Concept Store für Organic und Fair Trade Clothing für Männer und Frauen im Rathenauviertel. Seit 2013 sind wir auch in der Südstadt mit einem Geschäft vertreten. Wir legen großen Wert darauf, wie die Kleidung hergestellt wird und welche Materialien verwendet werden. Alle Produkte, die wir anbieten sind GOTS-zertifiziert (Global Organic Textile Standard), das heißt die gesamte Produktionskette wird nach ökologischen Kriterien und sozialen Standards überwacht. Zusätzlich tragen viele Textilien auch noch das Fairtrade-Siegel (Baumwolle). Zu unseren Marken gehören auch einige junge, deutsche Labels wie die armedangels  aus Köln, recolution aus Hamburg, Wunderwerk aus Düsseldorf oder ThokkThokk aus München.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Der Laden war Kais Idee. Das Thema Bekleidung, insbesondere Streetwear, hat ihn schon immer interessiert und über die Jahre ist er mit einigen jungen Labels in Kontakt gekommen, die ihre Kollektionen ökologisch und fair produzieren. Das hat ihn begeistert und er hat sich immer intensiver mit dieser Thematik beschäftigt. Nach seinem Sportstudium hat er dann zunächst drei Jahre im Vertrieb gearbeitet, war hiermit allerdings nie wirklich glücklich. Die Lust auf berufliche Veränderung und Selbstständigkeit hat dann dazu geführt, dass aus seiner Begeisterung für grüne Mode Kölns erster Concept Store für eben diese entstand.

Ich selber habe Geschichte und Politik studiert und war anschließend in PR und Projektmanagement im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe tätig. Von Kais Idee war ich von Anfang an begeistert und bin mit eingestiegen, nachdem ich noch ein Jahr in meinem alten Job gearbeitet hatte.

Green Guerillas

Was ist eure Motivation?

Wir wollen zeigen, dass ökologische und nachhaltige Mode alles andere als kratzig, altbacken und langweilig ist. Außerdem möchten wir ein Stückchen dazu beitragen, dass die kranke Modewelt ein bisschen gesünder wird. In Zeiten, in denen immer mehr Mode produziert und anschließend weggeschmissen wird, weil die Lagerkosten den Wert der Produkte übersteigen, bilden die Labels, die wir verkaufen, ein wichtiges Gegengewicht zur sogenannten “Fast Fashion”. Während Primark zum Beispiel jede Nacht neue Ware angeliefert bekommt, konzentriert sich die “Slow Fashion” meistens auf zwei Kollektionen pro Jahr. Primark ist zwar nicht der einzige Buhmann – auch Marken wie Hugo Boss sind in meinen Augen nicht besser – aber Primark sorgt mit den extrem niedrigen Preisen dafür, dass die Konsumenten sich überhaupt keine Gedanken mehr machen, ob sie ein Kleidungsstück überhaupt brauchen. Wozu auch, wenn es gerade mal so viel kostet wie das Brötchen beim Bäcker?

Welche Auswirkungen hat Fast Fashion auf die Produktionsbedingungen?

Durch die kurzen Produktionszyklen werden die Arbeitsbedingungen härter. Kann ein Betrieb nicht rechtzeitig liefern, drohen Strafzahlungen. Aus diesem Grund werden die Arbeiter angehalten schneller zu nähen und Fluchtwege werden versperrt, um Pausen zu unterbinden. Welche tragischen Konsequenzen das teilweise haben kann, wissen wir alle.

Welche Verantwortung tragen die Kunden für diese Zustände?

Ich finde es falsch immer nur auf die Konsumenten zu zeigen und zu sagen: “Die sind Schuld, weil sie mit ihren Kaufentscheidungen das System unterstützen.” Die Verantwortung liegt weniger bei den Jugendlichen, die bei Primark kaufen, als viel mehr bei der Industrie. Die Gewinnspannen müssten anders verteilt werden. Und auch die Politik könnte eingreifen – etwa indem strengere Einfuhrauflagen für Mode umgesetzt werden.

green guerillas

Sollten Modeunternehmen statt in Bangladesch und Co lieber in Europa produzieren?

Nicht unbedingt. Die Leute in diesen Ländern brauchen ja Arbeit. Aber eben zu vernünftigen Konditionen. Ich finde es da schon reichlich zynisch zu sagen “Wenigstens haben die Menschen in Bangladesch einen Job”, wenn sie für ihre Arbeit nur einen Dumpinglohn erhalten. Unsere Marken lassen ihre Kleidung natürlich auch in den unterschiedlichsten Ländern produzieren, aber eben immer mit dem nötigen Respekt vor den Menschen und der Natur. Ein sehr wichtiger Produktionsstandort ist sicherlich die Türkei, weil dort ein großer Teil der Biobaumwolle herkommt, die dann auch direkt vor Ort weiterverarbeitet werden kann. In Europa wird sehr viel in Portugal, Italien und in Griechenland gefertigt, aber auch Indien, Marokko und Tunesien sind wichtige Standorte für die Produktion.

Wie könnt ihr mit green guerillas dazu beitragen das System zu verändern?

Das Schöne an der Selbstständigkeit ist, dass wir alles selbst entscheiden können. Unser Konzept ist daher sehr konsequent gedacht. Unsere Tüten, Flyer und unser Papier sind selbstverständlich aus recyceltem Papier, wir arbeiten mit ökologischen Druckereien zusammen, unsere Ladeneinrichtung ist aus nachhaltigen Materialien selbstgebaut oder aus zweiter Hand, Strom kommt von Greenpeace Energy und so weiter. Wir versuchen einfach, in allen Unternehmensbereichen so nachhaltig wie möglich zu handeln. Im Gegensatz zu den Nachhaltigkeitsinitiativen der Big Player stülpen wir also nicht einfach nur ein paar kleine Maßnahmen über ein konventionelles Konzept. Hinzu kommt, dass unsere Sachen nicht zum Wegwerfen gemacht sind, sondern auch nach langer Zeit ihre schönen Farben und Formen behalten. Qualität ist bei Textilien eben auch ein sehr wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeit.

Mit welchen Problemen hattet ihr zu kämpfen?

Wir hatten das Glück, dass der Zuspruch von Anfang an recht groß war – sicherlich auch weil wir die ersten mit einem solchen, nachhaltigen Konzept in Köln waren. Inzwischen gibt es auch in Sülz, im Agnesviertel oder in Nippes ähnliche Läden.

Was war bislang euer schönstes Erfolgserlebnis?

Es ist wahnsinnig toll, dass wir 2013 unser zweites Geschäft in der Südstadt eröffnen konnten. Generell ist es immer schön, mit seiner Idee und Philosophie auf Gegenliebe und Unterstützung zu stoßen. Jeden Tag habe ich nette Begegnungen mit unseren Kunden und zu einigen hat sich mittlerweile sogar ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Gäbe es diese Erlebnisse nicht, könnten wir das Ganze übrigens gar nicht durchhalten, denn zwei Läden zu führen bedeutet schon sehr viel Arbeit. Ein weiteres Erfolgserlebnis war, dass wir im letzten Jahr unseren ersten Mitarbeiter fest einstellen konnten – einen langjährigen Kunden von uns.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Für mich ist Nachhaltigkeit der gesunde Umgang mit den Ressourcen auf unserer Erde. Wir sollten mehr darüber nachdenken wie viel wir hiervon konsumieren und wie wir diese gerecht verteilen – auch damit für die nachfolgenden Generationen noch etwas bleibt. Wenn man anderen Menschen, den Tieren und der Natur mit Respekt begegnet, dann läuft schon eine Menge richtig.

Logo green guerillas

green guerillas Rathenauviertel: Roonstraße 82-84, 0221 16914611, Mo-Fr 11.00 – 19.30 Uhr, Sa 11.00 – 19.00 Uhr

green guerillas Südstadt: Merowingerstraße 6, 0221 99874155, Mo-Fr 11.00 – 19.00 Uhr, Sa 10.00 – 18.00 Uhr