Wer die Wahl hat, hat die Qual....eine persönliche Sichtweise

Wer die Wahl hat, hat die Qual….eine persönliche Sichtweise

Nun ist es also in wenigen Wochen schon wieder so weit – es ist WAHLSONNTAG. Und nicht nur ein ganz gewöhnlicher….denn direkt vier Stimmen werden von mir verlangt! Der Kölner Rat, die lokale Bezirksvertretung, der Kölner Integrationsrat und der Europarat wollen von mir gewählt werden. Und wie so oft, mache ich mir im Vorfeld meine Gedanken – obwohl alles in allem durchaus stetig politisch interessiert bin – wen ich dieses Mal wähle.

Alle für eine gibt es nicht mehr

Denn eines habe ich mir vorgenommen – alle vier Stimmen gehen nicht pauschal an eine Partei, mit der ich vielleicht inhaltlich am ehesten sympathisiere. Dafür wurde ich in den vergangenen Jahren inhaltlich einfach zu sehr enttäuscht und daher möchte in diesem Jahr nochmals mehr auf die Glaubwürdigkeit “meines Vertreters/meiner Vertreterin” achten.

Aber kenne ich diese/n überhaupt? War das nicht der-/diejenige, die mir vor ein paar Tagen vor dem Supermarkt ein Infozettelchen und ein buntes Ei in die Hand drücken wollte oder bestenfalls in den kommenden Tagen mir persönlich an meiner Haustüre einen farbigen Kugelschreiber überreichen wollen? Irgendwie war das für mich auch der unpassende Moment in eine inhaltliche Tiefe zu gehen, aber diese Art der Präsenz scheint wohl festverankert zum Wahlkampf zu gehören (Stehen die da eigentlich auch mal außerhalb des Wahlkampfs? Oder welche “normalen” Formen der “Parteien- oder Bürgersprechstunden” sind mir bisher noch nicht bekannt?).

Alternativ habe ich natürlich auch die Möglichkeit die ein oder andere Person Vis-a-Vis kennenzulernen….jetzt weniger live (ok, lokale Podiumsdiskussionen etc. folgen wohl – hoffentlich – ab Mai noch in meinem Veedel), dafür aber via Wahlplakat in diversen Größendimensionen inkl. dünn-inhaltlicher 2-5-wörtriger “Wahl-Slogans” (Können wir nicht alle irgendwie Köln?). Aber das macht mich auch nur bedingt glücklich. Im Gegenteil sogar, schon ziemlich nervig, wie die Plakate um den letzten freien Platz im Fußgänger- und Straßenraum kämpfen…ich weiss, nicht, ob das jetzt nur meinen Augen oder direkt meinem ganzen Hirn irgendwie nachhaltig schädlich ist?!?

Die Erfahrungen der Vergangenheit

Ich verfolge nicht nur digital, sondern auch via lokaler Printmedien und live sehr aktiv, was sich politisch so vor Ort in Köln tut. Das die quälend langen Ratssitzungen nun online zu verfolgen sind (warum gibts dafür eigentlich noch keine kölsche Fanmeile?), macht die Sache wenigstens insofern angenehmer, dass ich mich dabei irgendwo gemütlich in eine Ecke meiner Couch setzen und auch einfach mal länger weg schalten kann, wenn es wieder zu einer der nicht so seltenen stumpfsinnigen Redebeiträge einer extrem nach Rechts ausgerichteten lokalen Partei kommt. Aber auch sonst habe ich das Gefühl bekommen, das Rats- und Ausschusssitzungen (mein Tipp: UNBEDINGT mal live angucken) oftmals eine sehr interessante Melange aus Klüngelüngelüng (offiziell meine ich fraktionelle Mehrheitsfindung), Wortbei- und Gegenanträgen sowie durchaus positiv gemeintem Welt-, ääähhhh Kölnverbesserungs-Gen sind (auch wenn es mit letztem Satz nicht so erscheint, habe ich ein durchaus Respekt vor dem ehrenamtlichem Engagement unserer PolitikerInnen, auch wenn ich es sehr schade finde, dass es wohl noch so immens gravierende Unterschiede bei der “Freistellung” für dieses ehrenamtliche Amt gibt -> ein HOCH auf das Beamtentum).

Am meisten bin ich aber darauf gespannt, wie sich dieses mal die “kleinen Parteien weiterentwickeln” werden und ob diese in der Wahrnehmung der WählerInnen den Status der “Protestwahlpartei” zur “wählbaren Option” besitzen. Auf jeden Fall haben diese (braunes politisches Gedankengut ausgenommen!!!)  in den vergangenen Jahren – schon durch ihre bloße Anwesenheit, aber auch ihre durchaus kompetenten Beiträge – das Gefüge der klassischen Klein-Parteienlandschaft zumindest in Bewegung gebracht. Wird diese Parteienheterogenität 2014 nochmals (oder endlich?) erheblich verstärkt oder begibt sich der/die Kölner Wählerin doch lieber wieder in die Obhut dessen, was er/sie kennt?

Und was nun?

Aufgrund meines bürgerschaftlichen Engagements in der Vergangenheit habe ich zu oft erfahren, dass die bestehenden politischen Konstrukte zumeist langjährig  “gewachsene Systeme, Hierarchien und Abhängigkeiten” sind, die einer inhaltlichen und fachlichen Logik und auch Transparenz nicht immer folgen (Was passieren eigentlich für “geheime Geschäfte” bei den nicht-öffentlichen Tagesordnungspunkten? Bzw. in der letzten Ratssitzung finden alle Beteiligten das Finanzierungsmodell des ÖPP als überholt, aber aufgrund “vergangener Zusagen” sowie verwaltungsbedingter zeitlicher Verschleppung werden hier dennoch 97 (!!) Millionen € entsprechend ausgegeben).

Daher werde ich bei meinen zu vergebenen Stimmen genau schauen, welche politischen Einzelperson mich in der Vergangenheit live und in der Stringenz und Transparenz Ihrer Umsetzung am meisten überzeugen konnte, ganz unabhängig der parteipolitischen Zuordnung – so kann ich ihm/ihr dann wenigstens auch irgendwann einmal – 2015 – sagen, dass er/sie mich in diesem Punkt enttäuscht haben, anstelle einer vielleicht im Nirwana versinkenden Mail an Partei XY.

P.S.

Ich freue mich natürlich über Rückmeldung :-) und möchte auch nochmals darauf verweisen, dass ich den Blogbeitrag sicherlich noch viel viel inhaltlich dezidierter (und damit länger) verfassen hätte können, aber ich mich für “In der Kürze liegt die Würze” entschieden und auf Verweise unendlicher Beispiele komplett verzichtet habe.

P.S.2

Ach ja, an dem Thema Wahlplakate klebe ich doch irgendwie fest. Diese werde ich mir in den kommenden Tagen und Wochen nochmals intensiver anschauen…und sicherlich auch das ein oder andere Statement hierzu veröffentlichen.