Von der Kiste zum grünen Erlebnis: Der Kräuterkauz öffnet Augen und Sinne

Von der Kiste zum grünen Erlebnis: Der Kräuterkauz öffnet Augen und Sinne

Diego Gardon und Daniel Baer haben sich gesucht und gefunden, um Menschen für wild wachsende Pflanzen zu begeistern, die in der Kölner Region beheimatet sind und die man zum praktischen Gerbrauch verwerten kann. Sie sind als der ‚Kräuterkauz’ davon überzeugt, dass Wildpflanzen wertvolle Rohstoffe sind, die sich sinnvoll nutzen lassen – was über „Sich ein Teechen kochen“ weit hinaus geht. Der Mensch kann aus der Natur „konsumieren“ und daraus ein selbstbestimmtes, gesundes Leben mit viel Energie schöpfen.

Mit welcher Idee hast du dich beim Brutkasten beworben, Diego?

Die Idee war eine Wildkräuterkiste zu machen, ähnlich wie eine Gemüsekiste, die im Abonnement zugestellt wird und saisonale Wildkräuter beinhaltet.

Wie kam es zu dieser Idee, was hat euch dazu inspiriert?

Diego: Ich wollte mehr über die Kräuter lernen und habe schon immer alles was mich interessiert durch die Praxis gelernt. Außerdem wollte ich die Liebe und Leidenschaft zur Natur mit anderen teilen.

Daniel: Es ist so, dass ganz viele Menschen besonders im urbanen Bereich den Bezug zur Natur verloren haben und es ist schockierend zu sehen wie wenig die Leute über sie wissen. Daraus resultiert, dass auf die Natur nicht mehr Acht genommen bzw. dass sie unsensibel behandelt wird.

Diego: Als Gärtner habe ich mir irgendwann die Frage gestellt, wieso man ‚Unkraut’ beseitigen muss, anstatt die Natur so zu respektieren wie sie ist und ihr Potenzial erkennt. Wenn man immer nur sich wahrnimmt und das sieht was dekorativ ist oder großen Ertrag bringt, kommt man nicht weit.

Wie kann man Menschen zur Nachhaltigkeit begeistern?

Diego & Daniel: Zunächst finden wir, dass Nachhaltigkeit kein richtiger Begriff ist, denn über kurz oder lang wird daraus, genau wie aus den Begriffen ‚Bio’ und ‚Vegan’ eine Industrie. So wird das Wesen der Nachhaltigkeit aber verfälscht. Wir bemerken, dass im Alltag die Sinne verkümmern, da alles streng reglementiert ist.

Wir wollen die Menschen also über praktische Erfahrung für ‚Nachhaltigkeit’ begeistern und zwar durch den von uns angestrebten kulinarischen Aspekt. Der Mensch soll sich zunächst Zeit nehmen, die Augen und die Sinne zu öffnen um so direkte haptische Erfahrungen zu machen.  Wir erleben immer wieder, wie überrascht die Menschen dann sind, wenn sie feststellen, welche Vielfalt an Geschmack und Nutzen man aus den Wildpflanzen rausholen kann. Wir wollen daher Workshops anbieten, bei denen wir gemeinsam Sammeln, Kochen und anderen die Vielfalt der Natur zeigen.

Hat sich die Idee der Wildkräuterkiste also verändert? 

Diego & Daniel: Ja, wir haben von September 2012 bis März 2013 den Test gemacht und haben entschieden, dass uns das ursprüngliche Konzept nicht mehr gefallen hat. Wir wollten keine Kiste, die die Menschen per Mausklick bestellen können, sodass keine zwischenmenschliche Interaktion mehr stattfindet. Anstatt selber soviel Aufwand in das Sammeln der Pflanzen, das Fertigstellen eines sauberen Endprodukts durch genaue Beschriftungen und das Abliefern der Kiste, wollten wir mehr Aufwand in menschliche Begegnung, das eigentliche Erleben der Natur und die Möglichkeit des Selbermachens investieren. Unsere Kunden sollen nicht nur ein Fertigprodukt bekommen, sie sollen selber finden, sammeln und dazu lernen. Denn der Mensch hat einen Sammel- bzw. Jagdtrieb, der nur in abstrahierter Form in der künstlichen Natur / Kulturwelt zum Vorschein kommt. Diesen sollte man nicht unterschätzen, sondern nutzen um die Natur als Teil unserer Welt zu entdecken.

Dieser Text ist der erste Teil einer Dreierserie über den Gewinner des ökoRAUSCH Brutkasten 2012 – demnächst mehr!