Stadtpolitisches Café - das neue Dialogforum des KölnAgenda e.V.

Stadtpolitisches Café – das neue Dialogforum des KölnAgenda e.V.

Am 19.09.2013 fand die Auftaktveranstaltung des neuen Dialogforums “Stadtpolitisches Café” in den Räumlichkeiten der Melanchthon Akademie statt. Nachdem der KölnAgenda e.V. sich in diesem Jahr mit neuem Büroleiter, neuer Geschäftsadresse und einem Klimaschutzprojekt neu sortiert hat, zeigt sich nun mit dem vom KölnAgenda initiierten Forum der Wille, mit Bürgerinnen und Bürgern über lokalpolitische Themen mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit ins Gespräch zu kommen.

Köln kann nachhaltig hat dem Vorstandsmitglied Renate von dem Knesebeck fünf Fragen gestellt…

Köln kann nachhaltig: Frau von dem Knesebeck, Sie haben mit einem Impulsvortrag zum Thema “Schlüsselbegriff nachhaltige Wirtschaft – Maßstab für soziale Nachhaltigkeit” das neue Dialogforum “Stadtpolitisches Café” des KölnAgenda e.V. eröffnet. Sind Sie zufrieden mit der Auftaktveranstaltung?

Renate von dem Knesebeck: Nachhaltigkeit ist ein fortlaufender Prozess, der nur in Zusammenarbeit, besonders auch der Zivilgesellschaft umgesetzt werden kann. Mit dem neuen Dialogforum möchten wir Kölner Bürgerinnen und Bürger gewinnen und überzeugen, nachhaltige Entwicklung in ihrer Stadt mitzugestalten. Die nicht zu leugnende Interdependenz ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit bestimmten mein Thema. Statt immer weiteres und mehr Wachstum, muss die Ökonomie Überlegungen ernst nehmen und voranbringen über eine andere Art des Wirtschaftens. Die These meines Impulsreferates, Nachhaltige(s) Wirtschaft(en) ist der Schlüssel und damit Maßstab für soziale Nachhaltigkeit, wurde interessiert aufgenommen und führte zu einer regen Diskussion. Dabei möchte ich es aber nicht bewenden lassen, sondern in geeigneter Form weiterführen zu einer Umsetzung. Unter Berücksichtigung der Entwicklung der letzten Jahre /Jahrzehnte ist dies m.E. unerlässlich. Denn Gerechtigkeit ist ein zentrales Leitmotiv von Nachhaltigkeit.

Köln kann nachhaltig: Sie haben als langjähriges Vorstandsmitglied des KölnAgenda e.V. auch die Krisen und schweren Zeiten des Vereins in den letzten Jahren miterlebt. Was treibt Sie persönlich an, dennoch an der Sache festzuhalten und sich nicht von den Krisen entmutigen zu lassen?

Renate von dem Knesebeck: Genau das ist es: An der Sache festzuhalten – weil nachhaltiges Handeln existenziell ist für unsere zukünftige Lebensqualität auf dem „blauen Planeten“ – das betrifft im besonderen also die junge Generation! Natürlich verkenne ich nicht, dass durchaus junge Leute sich engagieren. Dennoch frage ich mich, weshalb anscheinend so viele, für mich zu viele junge Menschen nicht auf die Barrikaden gehen und für ihre Zukunft unerlässliches nachhaltiges Handeln vehement einfordern und selbst umsetzen. Beispielsweise in einem nachhaltigen Verhalten als Verbraucherinnen und Verbraucher.

Köln kann nachhaltig: Winston Churchill soll einmal gesagt haben: “Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Misserfolg zum anderen zu gehen, ohne seine Begeisterung zu verlieren.” Trifft das auch für den KölnAgenda e.V. zu?

Renate von dem Knesebeck: Fair und sachlich betrachtet, ist dem keinesfalls zuzustimmen, nur von Misserfolgen zu sprechen: Ohne die vorbereitenden und unterstützenden Arbeiten des KölnAgenda e.V. gäbe es u.a. heute keinen Bürgerhaushalt, kein KlimaBündnis Köln, kein international verantwortliches Millenniums-Aktionsprogramm, keine nachhaltigen Leitbild-Indikatoren, keine Diskussion über faire und ökologische Beschaffung, keine Fair-Trade-Town, keine Eine-Welt-Stadt Köln, usw. Ebenso hat der KölnAgenda e.V. mit dem Energie-Forum dazu beigetragen, durch erhebliche Einsparung von Energiekosten den städtischen Haushalt zu entlasten und einen differenzierten Blick auf die Haushaltskrise zu werfen. Weitere Beispiele sind, inzwischen eigenständig weitergeführte Projektvorhaben, wie die Kampagne „Jecke Fairsuchung“ oder die Gründungsinitiative „Bürgerstiftung Köln“, Ökoprofit, für das sich der Agenda-Themenkreis Wirtschaft stark gemacht hatte. Nicht zu vergessen die Rolle des FrauenForums KölnAgenda mit z.B. ihrer europaweit beachteten Studie zum Gender Budgeting, und auch im Zusammenhang mit dem Kölner Bürgerhaushalt eine Budgetierung unter Gendergesichtspunkten erfolgreich voranbrachte. Das alles bedarf engagierter Begeisterung, um es jahrelang rein ehrenamtlich zu initiieren und voranzubringen.

Köln kann nachhaltig: Das “Stadtpolitische Café” als neu ins Leben gerufenes Bürgerforum für Themen rund um die drei Säulen der Nachhaltigkeit ist nur eine Aktivität des KölnAgenda. Was sind weitere aktuelle Schwerpunkte des Vereins?

Renate von dem Knesebeck: Ein Schwerpunkt, der im Laufe der Jahre nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat, ist, den Nachhaltigkeitsdialog voranzubringen durch und mit der Zivilgesellschaft, die wir dazu einladen. Denn es ist nicht zu erkennen, dass die Kommune eine zielorientierte Strategie im Hinblick auf die Etablierung von Nachhaltigkeitsindikatoren, Nachhaltigkeitsbericht und Nachhaltigkeitsmanagement anstrebt. Deshalb wird sich der KölnAgenda e.V. für die nächste Zeit darauf konzentrieren, verstärkt durch eine Vernetzung der Kölner Zivilgesellschaft Bürgerdialog, Partizipation und Nachhaltigkeit in der Kölner Stadtgesellschaft voranzubringen. Durch Druck der Zivilgesellschaft hoffen wir, eher positive Veränderungen auf Seiten der Verwaltung zu erreichen. Dennoch möchten wir gleichzeitig den Dialog mit der Verwaltung weiterführen. Sinn unseres Vorgehens ist, den Nachhaltigkeitsdialog auf eine wesentlich breitere Grundlage zu stellen und möglichst viele Kölner Gruppierungen in den Nachhaltigkeitsdialog einzubeziehen. Zu den aktuellen Schwerpunkten des Vereins gehört die Mitwirkung an der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts, insbesondere mit der Durchführung der KölnAgenda-Kampagne „Köln spart CO2“ und die Unterstützung der Initiativen des Energieforums bei Energiesparvorschlägen.

Köln kann nachhaltig: Was ist Ihrer Meinung nach erforderlich, um die Ziele des Vereins und die Sache selbst wieder mehr in den Vordergrund zu stellen?

Renate von dem Knesebeck: Ein ambitionierter Weg dahin ist die Bildung eines „Parlaments für Nachhaltigkeit“ oder eines Nachhaltigkeits-Rates mit einem Bürgermonitoring (Agenda-Watching). Im Grunde würde damit auch der Leitbildprozess, der fast völlig zum Erliegen gekommen ist, auf eine Nachhaltigkeitsstrategie ausgerichtet und wieder neu belebt. Veränderungen sind niemals rein ökonomische Prozesse, sondern immer Teil einer umfassenden Evolution der Gesellschaft, eine sozial-ökologische Transformation.

Köln kann nachhaltig: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Stadtpolitische Café findet jeden dritten Donnerstag im Monat um 17.00 Uhr in der Melanchthon Akademie statt. Die Veranstaltung ist kostenlos, es gibt Kaffee, Tee und Kuchen und eingeladen sind alle, die sich konstruktiv an der Diskussion über Nachhaltigkeitsthemen beteiligen wollen. Beim folgenden Termin am 17.10.2013, 17 Uhr wird Davide Brocchi mit dem Impuls „Tag des guten Lebens“ seine Vorstellung einer Strategie zur schrittweisen Transformation der Stadt zur Diskussion stellen.