Stadtentwicklung „erfahren“: Radexkursion zum Niehler Gürtel

Stadtentwicklung „erfahren“: Radexkursion zum Niehler Gürtel

Unter dem Motto „Wo Straßen enden und Wege beginnen“ folgten am Sonntag, den 08.03. rund 40 Kölner auf dem Fahrrad den Spuren des letzten großen innerstädtischen Straßenbauprojekts: Einer Stadtautobahn durch Nippes und seine Grünanlagen. Zwar wurden die rund 50 Jahre alten Pläne bereits 2010 beerdigt, doch noch immer steht im Raum am Niehler Gürtel eine Straße von der Dimension des Ehrenfeldgürtels zu realisieren.

Ein Jahrhundert Stadtplanung in Köln

Der freie Künstler Rainer Kiel hatte daher Interessierte dazu eingeladen, sich mit dem Rad von Ehrenfeld zur Mühlheimer Brücke aufzumachen. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Kölner Stadtplanung in Rainers Atelier, schwangen sich die Exkursionsteilnehmer auf ihre Räder, um bei strahlendem Sonnenschein Kölner Stadt- und Verkehrsentwicklung zu „erfahren“. Bei diversen Stops zeigte Rainer, der Geografie und Städtebau studiert hat, anhand von Kartenmaterial und tatsächlich umgesetzten Bauprojekten, welche Ideen die Kölner Stadtplanung in den letzten Jahrzehnten beeinflusst haben. Von einem System aus „Grünzügen“, das am Anfang des letzten Jahrhunderts entworfen worden war, um Frischluft in die Stadt zu transportieren und Grünflächen zu verbinden, über die Vision einer „autogerechten“ Stadt in den 60er Jahren mit Überführungen statt Kreuzungen bis zu den heutigen, nur bedingt erfolgreichen, Versuchen das Radfahren in Köln komfortabler und sicherer zu gestalten. An der S-Bahn-Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel etwa lässt sich hervorragend erkennen, dass bei Bauprojekten in der Vergangenheit die Wegeführung für Fußgänger und Radfahrer vollkommen stiefmütterlich behandelt worden ist — mit der Konsequenz, dass bis heute von den notwendigen, komplizierten Umwegen ein großes Gefährdungspotenzial ausgeht.

Im Atelier von Rainer Kiel

Im Atelier von Rainer Kiel

Auf der Hochbahntrasse

Auf der Hochbahntrasse

Die Vision für den Niehler Gürtel: Ein Radschnellweg

Rainer präsentierte den Teilnehmern außerdem seine eigene Vision für den Niehler Gürtel: Einen Radschnellweg von der Mühlheimer Brücke nach Ehrenfeld über die aktuell für Fußgänger und Radfahrer nicht benutzbare Trasse der Hochbahn, durch Nordpark und Toni-Steingass-Park. „Leider blockiert die geplante Straße schon seit Jahren zahlreiche Entwicklungen, die aus heutiger Sicht sinnvoller wären. Fußgänger und Radfahrer sind daher auf der Hochbahntrasse nicht gewollt“, so Rainer. Er wünscht sich, dass bei der Kölner Verkehrsplanung — etwa nach dem Vorbild Kopenhagens — endlich deutliche Entscheidungen für alternative Mobilität getroffen werden, um Umwelt-, Wohn- und Lebensqualität der Stadt zu erhöhen.

Der "visionäre" Radschnellweg

Der “visionäre” Radschnellweg

Wer sich ebenfalls für die Geschichte und Zukunft Kölns mit Fokus auf Stadtentwicklung, Verkehrs- und Grünflächenthemen interessiert, dem seien die Radexkursionen von Rainer Kiel ans Herz gelegt. Sie finden in unregelmäßigen Abständen statt; Informationen dazu gibt es hier.