© Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Schweinerei auf dem Neumarkt? Umwelt-Pädagogik mit Bayer, BASF & Co

Nachhaltige Landwirtschaft mitten in der Stadt? Auf dem Neumarkt? Das hört sich fast zu gut an, um wahr zu sein. Ist es vielleicht auch.

Eine schöne Idee…

Erstmal hört es sich wie eine tolle Idee an: Mitten in der Stadt, auf dem Neumarkt, dem Einfallstor zu den großen Shoppingmeilen, soll eine Ausstellung der Fördergemeinschaft nachhaltige Landwirtschaft Kindern und Erwachsenen das bäuerliche Leben näher bringen. Das ganze heißt “Erlebnis: Bauernhof Mobil“, und mit dabei sind Hannelore Kraft als Schirmherrin, sowie center.tv Köln und Stadtrevue als Medienpartner. Das Werbephoto zeigt glückliche Kinder und eine Klapp-kuh samt rosa Hocker, die man sogar melken kann.

mit Gegenwind!

Doch im Netz regt sich Widerstand. Auf dem frisch eingerichteten Blog Gentechnik Lobby Nein Danke sowie auf einer zugehörigen Facebook-Seite wird Kritik an der Initiative geübt.

Zum einen geht es um die Mitglieder. Hier finden sich diverse Agro-Großunternehmen und Lobby-Verbände, die weniger für Nachhaltigkeit bekannt sind, sondern eher Widerstand gegen biologische Landwirtschaft oder ähnliches leisten. Zum anderen werden die Positionen kritisiert – die Initiative grenze sich nicht klar genug von Massentierhaltung und Gentechnik ab.

Meine Meinung

Zum einen ist mir egal, wer sich für Nachhaltigkeit einsetzt. Auch jenseits der “hardcore-grünen” Szene haben Unternehmen, große und kleine, das Thema für sich entdeckt, und sind aktiv, oft vorangetrieben durch engagierte Mitarbeiter. Ich freue mich, wenn Unternehmen hier aktiv werden, und diese Aktivitäten auch vermarkten.

Zum anderen kommt es dann aber drauf an, was drin ist. Die Positionen der FNL sind tatsächlich ideologisch geprägt. So wird das Motto “Energie vom Acker ist Klimaschutz” propagiert, obwohl letzte Studien diesbezüglich eher kritisch sind. Die Ergebnisse zum Thema “Bio” sind ernüchternd: Eine Meldung über Bio bei Rewe, kritische Meldungen über den Nährstoffgehalt von Bio-Lebensmitteln, Lobhudeleien zur Biotechnologie. Auch zum Thema “Vegetarismus” ist nichts zu vermelden, dafür wird billiges Fleisch von Turbo-Schweinen und Turbo-Kühen mit merkwürdigen bis abstoßenden Plakaten gepriesen.

Was tun?

Die Netz-Aktivisten planen momentan eine Mahnwache, und fordern ihre Seitenbesucher zum Protest auf.

Ich würde mir zwei Dinge wünschen:

1: Eine Podiumsdiskussion, mit Berichterstattung in Stadtrevue & Stadtanzeiger. Frau Kraft, Herr Sonnleitner, kommen sie nach Köln! Lassen sie uns, offen und ohne versteckte Unternehmens-und-Verband-Agenden, über die Vor- und Nachteile von Gentechnik, Bioanbau und vegetarischer Ernährung diskutieren!

2: Einen mobil-urbanen Garten (von Neuland?) auf den Neumarkt, vor, neben und nach der “Erlebnis”-Bauernhof. Ein Ort, wo Erwachsene und Kinder den Anbau von Lebensmitteln erleben können, die Hände in den Dreck stecken, und frische Nahrungsmittel genießen. Mit Turbo-Geschmack statt Turbo-Wachstum.

 

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