Kostensenkung und Bewusstseinswechsel: Kölner Unternehmen wirtschaften nachhaltiger mit ÖKOPROFIT

Kostensenkung und Bewusstseinswechsel: Kölner Unternehmen wirtschaften nachhaltiger mit ÖKOPROFIT

Das Projekt Ökoprofit (Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelt-Technik) hat das Ziel Ökologie und Ökonomie zu verbinden. Entstanden ist das Konzept, bei dem die kommunale Verwaltung in Zusammenarbeit mit externen Umweltberatern lokale Unternehmen dabei unterstützt nachhaltiger zu wirtschaften, Ende der 90er Jahre in Graz. Inzwischen wird es international umgesetzt. Köln startete als Spätzünder erst im Jahr 2010 mit Ökoprofit; aktuell läuft die dritte Projektrunde. Wir haben an einem Projekttreffen teilgenommen und mit Dr. Annette Boms gesprochen, die das Projekt vonseiten der Stadt leitet.

Autarke Energieversorgung am Flughafen durch Blockheizkraftwerk

Bei dem Treffen am Köln/Bonner Flughafen mit dem Schwerpunkt “Energie” steht zunächst eine Führung durch das Blockheizkraftwerk des Flughafens auf dem Programm. Mit diesem deckt der Flughafen einen Großteil seines Strom-, Wärme- und Kältebedarfs. Es handelt sich bei dem Treffen um den dritten von insgesamt acht Workshops, in denen die teilnehmenden Unternehmen Wissen zu verschiedenen Handlungsfeldern wie Wassser, Abfall, Mitarbeitermotivation oder eben Energie vermittelt bekommen. “Wir versuchen dabei explizit auf die Themen einzugehen, die die Teilnehmer betreffen”, erzählt Annette Boms.

In diesem Jahr nehmen unter anderem der Flughafen, die Koelnmesse, der Kölner Zoo oder der 1. FC Köln teil. Aber auch kleinere Unternehmen wie der Autoteile-Exporteur AUTEX, das Dental-Labor Hans Fuhr oder das Seniorenhaus St. Anna machen mit. “Im Grunde nimmt Ökoprofit die Teilnehmer ein Jahr lang an die Hand und zeigt ihnen, wie sie ihre Verbräuche minimieren können. Durch genaue Analyse und Controlling ist es dabei möglich, Potenziale aufzudecken”, so Boms. Die Heterogenität der Unternehmen stellt dabei keine Hürde dar, sondern es findet ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern statt.

Führung Blockheizkraftwerk

Energiemanagement beim Flughafen: Ein wichtiges Geschäftsfeld

“In den 70er Jahren stellten ‘Öko’ und ‘Profit’ zwei Gegensätze dar, wie sie schlimmer nicht hätten sein könnten”, führt Walter Römer, Leiter Unternehmenskommunikation beim Flughafen Köln/Bonn, in den theoretischen Teil des Projekttreffens ein. “Heute ist der Begriff Nachhaltigkeit in der Mitte der Unternehmen angekommen.” So auch am Kölner Flughafen, der bereits verschiedenste Projekte für ein effizientes Energiemanagement umgesetzt hat. Im Vordergrund steht dabei nicht allein der Wunsch Ressourcen zu schonen, sondern natürlich auch die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen. “Mit Energiemanagement lässt sich gutes Geld verdienen. Die Beratung unserer Kunden – wie DHL, UPS & Co – ist ein wichtiges Geschäftsfeld für uns”, berichtet Udo Nuß, verantwortlich für den Geschäftsbereich Technik.

Beim Energiemanagement verfolgt der Flughafen einen Top-Down-Ansatz, bei dem es darum geht, die größten Hebel zu Optimierung zu identifizieren. “Wir fühlen uns verantwortlich für alle Verbräuche und Emissionen auf unserem Gelände und beziehen unsere Kunden und Mieter daher mit in das Thema ein”, so Nuß. Bislang wurden Energieeffizienzmaßnahmen bei der Klimatisierung der Terminals (mit BAOPT/Bauer Optimierung/Climotion), bei der Beleuchtung (neues Konzept mit LEDs) oder der Energiegewinnung durch Photovoltaik (auf Frachthallen und Hangars) realisiert. “Teilweise mussten wir ganz schön Lehrgeld zahlen – vor allem aufgrund des Einsatzes nicht optimaler Produkte”, berichtet Nuß. “Aber das gehört dazu. Man kann nicht immer gewinnen und es ist wichtig neue Dinge auszuprobieren.” So arbeitet der Flughafen aktuell daran Brennstoffzellentechnik bei Busshuttles oder Gepäckschleppern einzusetzen. Für den Anfang des nächsten Jahres ist die Fertigstellung einer Wasserstofftankstelle geplant.

In Vor-Ort-Terminen werden unternehmensspezifisch Daten analysiert und Maßnahmen identifiziert

Nach dem Erfahrungsbericht des Flughafens, stellt Michael Homeyer vom Umweltberatungsunternehmen B.A.U.M. Consult, das schon seit vielen Jahren deutschlandweit Ökoprofit-Runden begleitet, den Teilnehmern Grundlagen der betrieblichen Energieanalyse vor. Neben den gemeinsamen Workshops, finden in einem Ökoprofit-Jahr auch bis zu fünf Vor-Ort-Termine statt, in denen die Umweltberater eine unternehmensspezifische Datenanalyse vornehmen und einen Maßnahmenkatalog entwickeln. Von diesen Maßnahmen müssen anschließend mindestens drei umgesetzt werden, um die Ökoprofit-Zertifizierung zu erhalten. Gleichzeitig bereit die Teilnahme an Ökoprofit die Unternehmen auch auf weitere Zertifizierungen wie ISO 14001, EMAS, ISO 50001 oder ISO 16247 vor.

“Besonders schön ist, wenn man merkt, dass bei den Unternehmen im Laufe des Jahres ein Bewusstseinswechsel hin zu einer insgesamt nachhaltigeren Philosophie stattfindet”, meint Annette Boms. “Wir als Stadtverwaltung können der Privatwirtschaft in Köln natürlich nicht vorschreiben ökologischer zu handeln. Wir können nur Informationen bereitstellen und aufzeigen, welche wirtschaftlichen Vorteile sich aus einem effizienteren Einsatz von Ressourcen ergeben.”

Christopher Holgate-Romanov von der teilnehmenden Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) bestätigt diesen Gedanken: “Was wir tun, muss sich wirtschaftlich lohnen. Wir können nicht in grüne Projekte investieren, die keinen positiven Return on Investment aufweisen.” Die EASA hat sich anlässlich des bevorstehenden Umzugs in neue Büros für die Teilnahme an Ökoprofit entschieden. “Das neue Gebäude soll von Anfang an nachhaltig und wirtschaftlich genutzt werden”, so Steffen Pohl. “Unser langfristiges Ziel ist es, die ‘grünste Agentur’ zu werden. Gerade als Verwender von Steuergeldern, sind wir dabei dem Effizienzgedanken verpflichtet.”

Egal ob durch eine nachhaltige Grundeinstellung oder den Wunsch Kosten zu sparen motiviert: Durch die Teilnahme an Ökoprofit können Firmen erheblich dazu beitragen, Ressourcen wie Wasser und Energie zu schonen und Abfallprodukte wie CO2 oder Restmüll zu minimieren. Informationen zu den Erfolgen des Projekts in NRW gibt es auf www.oekoprofit-nrw.de.