Parteiunabhängig in den Oberbürgermeisterwahlkampf - Marcel Hövelmann

Parteiunabhängig in den Oberbürgermeisterwahlkampf – Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Mitgründer von Köln kann nachhaltig. Nun möchte er sein Engagement für eine lebenswerte Entwicklung unserer Stadt auf eine neue Ebene bringen und bei der Kölner Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2015 als parteiunabhängiger Kandidat antreten. Wir haben uns mit ihm über seine Motivation, seine Agenda für Köln und die nächsten Schritte unterhalten.

Warum und wann hast du dich dafür entschieden, als parteiloser und unabhängiger Oberbürgermeister-Kandidat anzutreten?

Ich habe mich vor allem aus zwei Gründen dafür entschieden. Erstens, weil sowohl die lokale politische Mentalität als auch die internen Verwaltungsstrukturen teilweise eklatante Defizite aufweisen. Daher entwickelt sich Köln in meinen Augen mit den falschen Prioritäten weiter und die soziale Kluft wird immer größer. Dies habe ich in unterschiedlichen ehrenamtlichen Funktionen über 15 Jahre lang von Außen angesprochen, aber leider nur mit sehr mäßigem Erfolg. Da fehlte mir wohl der bekannte “kölsche Klüngel”.

Zweitens war ich  jahrelang überzeugter Grün-Wähler. Mittlerweile habe ich aber das Gefühl, dass sich auch die Grünen immer weiter von ihren Idealen entfernen, die mir stets wichtig waren und bis heute sind. Hinzu kommt, dass mich alle aktuellen OB-KandidatInnen nicht wirklich überzeugen und ich das Amt des Oberbürgermeisters auch als eine parteiunabhängige Position sehe, welche neutral ausgeübt werden muss. Daher habe ich mich schon im Januar über die notwendigen Bedingungen für die Aufstellung als OB-Kandidat informiert und dann kurze Zeit später, nach einem Feedback in meinem persönlichen Umfeld, meine Kandidatur angemeldet. Denn die Option nicht wählen zu gehen, stellte sich für mich noch nie.

Welche lokalen Erfahrungen bringst du mit?

Seitdem ich 1996 zum Geografie-Studium nach Köln gezogen bin, betätige ich mich ehrenamtlich stark in und für Köln — zum Beispiel war ich mehrere Jahre im Beirat des KölnAgenda e.V., habe mit dem Querwaldein e.V. einen der größten nationalen Umweltbildungsanbieter mit aufgebaut oder auch das Thema des “Urban Gardening” von Anfang an in Köln mit forciert. Im Rahmen dieser Tätigkeiten sowie in meinem Job beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg hatte ich stets einen intensiven Kontakt mit vielen Bereichen der Kölner Stadtverwaltung sowie mit den unterschiedlichen politischen Akteuren. Dadurch war es mir über einen langen Zeitraum möglich, sowohl die guten als auch die verbesserungswürdigen Seiten der Stadtpolitik und -verwaltung kennenzulernen.

Wie hast du deine Wahl-Agenda erstellt?

Die Themen, welche mir als Kölner OB besonders wichtig wären, habe ich in zwölf Bereiche geclustert. Dabei gibt es Themen — etwa Mobilität, Natur und Umwelt oder Mitwirkung — mit denen ich mich aufgrund meiner bisherigen Tätigkeiten selber sehr gut auskenne. Bei anderen Themen habe ich unter anderem auf die inhaltliche Expertise von Personen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis zurückgegriffen und beispielsweise intensiv mit Sozialarbeitern, Freiberuflern, Erziehern, Sozialhilfeempfängern, Studenten oder Künstlern gesprochen, um meine Ziele möglichst konkret formulieren zu können. Das war eine sehr spannende Phase und hat mir gezeigt, wie wichtig es nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft ist, meine Augen und Ohren stets offen zu halten.

Seit zwei Jahren habe ich auch einen temporären Arbeitsplatz im CoWorking-Büro “Colabor – Raum für Nachhaltigkeit“. Durch die umfangreichen dortigen Aktivitäten als auch die vielen tollen Akteure, die ich dort kennengelernt habe, gab es sicherlich einen wesentlichen inhaltlichen Input, der sich auch in meiner Wahl-Agenda widerspiegelt.

Was sind die wichtigsten Punkte deiner Agenda?

Besonders wichtig ist mir das Thema Verkehr und Mobilität, da dies sehr stark die Stadtentwicklung prägt und somit die Lebenswertigkeit unserer Stadt. Hier muss endlich ein ganz neues Bewusstsein gedacht und vor allem auch umgesetzt werden — weg von der herrschenden Dominanz des Autos, hin zu einem alternativen und nachhaltigen Mobilitätsmix aus Rad, ÖPNV und PKW. Sicherlich eine Aufgabe für die kommenden Dekaden, die endlich konkret angepackt werden muss und sich nicht nur in zu kleinen Einzelmassnahmen verlieren darf.

Auch die Mitwirkungsmöglichkeit und -pflicht der Kölner liegt mir besonders am Herzen. Hier würde ich gerne verschiedene standardisierte Verfahren für die Bürgerbeteiligung festzurren, um das vorhandene Know-how und Feedback der Bürger vor Ort noch besser in Planungsprozesse mit einzubeziehen und somit auch die Akzeptanz von Entscheidungen zu erhöhen. Hier fehlt mir aktuell noch ein roter Faden und da, wo es bisher Bürgerbeteiligung gab, kam man sich zu oft als “Abnickmasse” vor. Damit zusammenhängend ist auch der Fokus auf die Stärkung der Stadtbezirke. In den einzelnen Veedeln weiß man doch am besten, welche Maßnahmen am notwendigsten sind, um die Stadtteile und damit ganz Köln positiv weiter zu entwickeln.

Und abschließend muss diese Transformation Kölns natürlich auch solide und seriös finanziert sein. Momentan lassen wir unseren eh schon immensen Schuldenstand ja noch weiter wachsen. Hier die Balance zwischen “sinnvoller Investition”, “das können wir uns nicht mehr leisten” und “tot sparen” hinzubekommen, ist dann die wichtigste Gemeinschaftsaufgabe aller Verantwortlichen.

Wie schätzt du deine Erfolgschancen bei der OB-Wahl ein?

Wichtig ist mir die Ernsthaftigkeit meiner Kandidatur hervorzuheben. Ich möchte als gleichberechtigter OB-Kandidat wahrgenommen werden und meine Inhalte in der Diskussion mit den anderen Kandidaten und allen Kölner Bürgern kommunizieren. Bei den bisherigen Rückmeldungen überwiegen auch deutlich die Aussagen a la “Sehr gut, dass das endlich auch mal jemand wirklich macht!” gegenüber “Was für ein Schwachsinn, was willst Du denn damit bewirken? Ist doch reine Zeitverschwendung.”. Und dies bestätigt mich auch täglich in meiner Motivation, das es die richtige Entscheidung war.

Um jedoch offiziell an der Wahl teilnehmen zu können, benötige ich bis Mitte Juli rund 450 Unterstützerunterschriften. Das ist die erste formale Hürde, die ich als “Unabhängiger” zu meistern habe. Diese zu sammeln ist aktuell mein primäres Ziel, alles Weitere werden wir dann ab August sehen. Ich werde auf jeden Fall auf alles vorbereitet sein.

Wie sähe dein Stil als OB aus?

Wichtig ist mir ehrlich, transparent und kommunikativ zu arbeiten — alles andere ist kontraproduktiv und der Sache nicht dienlich. Es gilt innerhalb bestehender Prozesse eine positive Motivation herzustellen und mit neuen Inhalten und Denkweisen wieder für ein politisches Engagement zu begeistern — auch außerhalb von Parteistrukturen. Dabei finde ich authentisches Handeln äußerst relevant. Von Aussagen, die sich immer mit dem aktuellen Windfähnchen drehen, haben die meisten ja auch genug. Und wenn man dann doch mal seine Meinung ändert oder anpassen muss, dann sollte man auch den Charakter besitzen, dies offen darzustellen, wieso, weshalb, warum dies so ist.

Mir ist aber natürlich auch bewusst, dass ich im Fall der Fälle kein Einzelkämpfer wäre und daher mit allen demokratischen Akteuren einen konstruktiven Austausch suchen würde, bei dem für mich aber nicht die politische Farbe, sondern ausschließlich der jeweilige Inhalt zählen würde.

Wie geht es in den kommenden Monaten für dich weiter?

Nachdem ich Ende Februar meine Internetseite www.marcel-hoevelmann.de gelauncht und seit März angefangen habe die notwendigen Unterstützerunterschriften zu sammeln, werde ich dies weiter fortsetzen und von April bis August mit dem Rad und ÖPNV alle 86 Kölner Stadtteile besuchen und meinen Austausch mit den Kölner Bürgern weiter intensivieren. Desweiteren werde ich punktuell auf Veranstaltungen wie dem Tag des guten Lebens in Sülz oder bei der RADKOMM – Kölner Forum Radverkehr vertreten sein.

Bei meinem Wahlkampf möchte ich übrigens möglichst auf Printwerbung verzichten — lediglich eine Infopostkarte mit den wichtigsten Punkten meiner Agenda soll gedruckt werden. Auch Wahlplakate oder ähnliches wird es bei mir nicht geben. Das finde ich selber immer das Nervigste bei jeder Wahl. Ich habe mir selbst ein Wahlkampfbudget von 100 Euro gesetzt. Damit möchte ich zeigen, dass man sich auch ohne (viel) Geld politisch engagieren kann. Und dann werde ich mich mal überraschen lassen, wen die Kölner am 13.09. wählen werden.