Buchtipp: “Natürlich Köln” – Großstadt mal mit anderen Augen sehen

Buchtipp: “Natürlich Köln” – Großstadt mal mit anderen Augen sehen

“Klar, die Leute, die sind super in Köln. Aber schön ist die Stadt ja nun nicht …” Soweit die gängige Meinung. Doch stimmt das wirklich? Einer, der widersprechen würde, ist Sven Meurs. Er hat sich für sein Buch “Natürlich Köln – Wildnis in der Großstadt” den grünen Seiten Kölns gewidmet: den Parks, Wäldern und Naturschutzgebieten. Und dabei Wunderschönes und Erstaunliches entdeckt.

Ursprünglich hatte der passionierte Naturfotograf eigentlich ganz andere Pläne, wie er mir bei einem Kaffee erzählt: “Vor einigen Jahren wollte ich mit dem Rad von Mombasa nach Kapstadt fahren und zu dieser Reise eine Foto-Reportage erstellen. Dann wurde allerdings meine Frau schwanger und meine Anwesenheit in Köln war gefragt. Eines Tages saß ich dann auf einer Bank am Rhein und habe einen Fuchs beobachtet – und das hat mich auf die Idee gebracht den Foto-Vortrag einfach über Flora und Fauna in Köln machen. Schließlich fotografiere ich die Natur in der Stadt schon seit ich 2004 hier her gezogen bin. Und als “Nebenprodukt” ist dann quasi “Natürlich Köln” entstanden.”

Parks, Wälder, Tiere und Menschen im Portrait

Gegliedert ist das Buch im “Reiseführer-Style” in die neun Kölner Stadtbezirke sowie in jeweils ein Kapitel über den Rhein und die Wahner Heide – das Naturschutzgebiet am Köln-Bonner-Flughafen. Neben Beschreibungen der Grünflächen in den Veedeln, Tierprofilen sowie faszinierenden und überraschenden Bildern von Landschaft und Tieren, ist “Natürlich Köln” gespickt mit Tipps für Naturerlebnisse, Familienausflüge und Fotogelegenheiten. Und auch Menschen spielen eine Rolle. Denn mit ihnen fing alles an: “Es gibt in Köln viele Personen, die mit Tieren in der Stadt arbeiten. Das finde ich spannend, daher habe ich sie angeschrieben und gefragt, ob ich sie mal bei ihrer Arbeit begleiten kann.” Die Resonanz war überwältigend positiv: Alle haben zugestimmt Sven ihre Arbeit zu zeigen. Zu den im Buch Portraitierten gehören Frank Eikermann – Schäfer einer Herde Moorschnucken, Ulf Muuss – Bird Controller des Köln-Bonner Flughafens und Dr. Armin Kureck – Zoologe auf dem Unibootshaus.

© www.natürlichköln.de

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Köln ist eine der grünsten Städte Deutschlands

Bei den Recherchen und Aufnahmen für das Buch, wurde Sven erst richtig bewusst, wie grün unsere Stadt eigentlich ist: “Ich dachte ich würde mich schon sehr gut in der Kölner Natur auskennen. Wir haben hier allerdings so viele Grünflächen, dass ich erkennen musste, wie viel ich noch nicht kenne.” In Köln ist Sven vor allem von der Koexistenz von Mensch und Tier angetan: “Ich finde es toll, dass die Tiere es hinkriegen, sich mit uns Menschen zu arrangieren. Ich sehe das mit einem ziemlich positiven Blick. Selbstverständlich ist es nicht immer die natürliche Umgebung eines Tieres; eine Meise brütet zum Beispiel normalerweise nicht in einer Ampel und eine Amsel nicht in einem Fahrradkorb – aber es ist dieses Miteinander, das mich fasziniert.”

Die Artenvielfalt in Köln ist hoch. Neben Tieren, die man in der Stadt erwarten würde – wie Kanninchen, Mäusen, Eichhörnchen oder Tauben – gibt es auch außergewöhnlichere Stadt- beziehungsweise Grünflächenbewohner wie Wanderfalken, Ringelnattern oder Füchse. Eine Begegnung hat Sven besonders beeindruckt: “Ich versuche schon seit Ewigkeiten einen Eisvogel auf’s Foto zu kriegen. 2011 war ich deswegen eineinhalb Monate an der Kolpa in Slowenien fotografieren und 2012 an der Müritz, doch es hat nie geklappt. Und dann habe ich den Eisvogel zufällig am Pescher See entdeckt, als ich Schwäne fotografiert habe. Als erstes habe ich seinen charakteristischen Gesang gehört und ihn dann kurz darauf in der Sonne blitzen gesehen.” Seine Kölner Lieblinge sind jedoch die Füchse: “Die finde ich einfach großartig. Letztes Jahr war ich ganz nah an ihnen dran. Rund 15 bis 20 Morgen habe ich auf der Suche nach ihnen verbracht. Und wenn der Wind dann mal richtig stand, haben sie sich gezeigt.”

© www.natürlichköln.de

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Warten auf Tiere als Meditation in der Natur

Für Sven ist dieses Ausharren und das stundenlange Warten auf Tierbegegnungen wie eine Therapie. “Ich arbeite hauptberuflich mit psychisch kranken Menschen zusammen, das ist mental und emotional sehr anstrengend. Alleine in Parks und Naturschutzgebieten Zeit zu verbringen, ist da ein Gegengewicht – ein bisschen wie eine Meditation in der Natur.” Um erfolgreich Tiere zu beobachten, ist es wichtig, die Sinne zu schärfen. Und so empfiehlt Sven: “Geht raus, macht die Augen auf und habt Geduld. Ändert die Perspektive. Es gibt so viel zu entdecken in Köln. Für mich ist es selbstverständlich, Vögel und andere Tiere wahrzunehmen. Aber man muss das natürlich trainieren. Wie es sich anhört, wenn ein Eichhörnchen den Baum hochläuft oder wenn eine Amsel im Laub badet, kann man zum Beispiel super lernen, wenn man in der Flora auf einer Bank sitzt. Die Natur kostet nichts, aber sie ist spektakulär schön und immer da.”

 

Auf natuerlichkoeln.de gibt es weitere Informationen über Svens Projekt. Hier könnt ihr das Buch bestellen. Und am 19. Juni wird Sven eine Livereportage im Café Bo halten.

Svens Top-3-Ausflugstipps für Naturerlebnisse in Köln

“Die Wahner Heide ist sehr vielseitig. Hier gibt es alle möglichen Tiere: Hirsche, Füchse, Dachse, verschiedene Vogelarten. Das Naturschutzgebiet Oberer Mutzbach ist landschaftlich äußerst interessant mit einem kleinen Bächlein, Wald, Klee, Fingerhut und Libellen. Und auch ein Besuch der Worringer Feldflur westlich von der A57 lohnt sich, da sich Buschwerk und Felder abwechseln und man Rehe, Hasen und Greifvögel sehen kann.”