Imkern in Köln - ein paar Gedanken und Zahlen

Imkern in Köln – ein paar Gedanken und Zahlen

Schon seit ein paar Jahren imkert Petra Grünwald in Köln. Zuerst in Rodenkirchen und Ehrenfeld und nun in Vingst. Seit Anfang 2014 ist sie auch eine der wenigen bio-zertifizierten Kölner ImkerInnen, die Ihre Bienenstöcke auf dem Gelände des Kölner-Bio-Bauern stehen hat und ihren Honig unter dem Namen “Vingster Honig” vertreibt. Petra kombiniert dabei ihre Leidenschaft für das wesensgemäße Imkern und die Faszination für die Honigbiene mit regelmäßigen Bienenbildungsangeboten für Jung und Alt.

Hierbei tauchen regelmäßig viele inhaltiche Fragen auf, aber der spezielle Schwerpunkt in diesem Blogbeitrag soll vor allem auf dem ökonomischen Aspekt des nebenberuflichen Imkerns liegen. Denn regelmäßig wird an Petra auch die Frage gestellt, wieso ihr Honig teurer ist, als der Bio-Honig im Supermarkt und Honig im Allgemeinen. Dies versuche ich hier – basierend auf einem Gespräch mit Petra sowie einem Austausch mit Frank von Bienwerk – einmal anhand von Petras 13 Bienenstöcken darzustellen.

Grob kann man dies in drei Bereiche aufteilen:

Einmalige Investition

An erster Stelle steht natürlich der einmalige Erwerb der Bienen sowie der (vielen) notwendigen Imker-Utensilien in ausreichender Anzahl. Verteilt man diese Investitionskosten auf 10 Jahre, weil die Anschaffungen im Durchschnitt so lange nutzbar sind, ergibt dies eine jährliche Umlage von ca. 530 EUR.

Jährlicher Aufwand

Dies sind die jährlichen Zeitaufwände für Petras besonders bienenfreundliche wesensgemäße Pflege und die Honigernte, Abfüllung, Etikettierung und Auslieferung des Honigs. Im Jahresdurchschnitt ist Petra hierfür wöchentlich ca. 10 Stunden bei ihren Bienen und wird punktuell oft von Freunden und Bekannten unterstützt (was pauschal mit “nur” 300 € angesetzt wird). Gehen wir mal von einem „fairen Mindestlohn“ für Petras Imker-Tätigkeit von 8,50 € aus, dann beträgt der jährliche Betrag für ihren Arbeitsaufwand ca. 4.720 €

Material etc.

Hierzu gehören die fixen Kosten für die Bio-Zertifizierung, Versicherungen, Weiterbildungen, diverse jährliche Materialkosten (Honiggläser, Etiketten, Arbeitsmaterialien etc.) und mehr. Diese Position hat die meisten schwankenden Faktoren, kann aber mindestens mit jährlich 800 € angesetzt werden.

Zusammengefasst…

…stehen also ca. 6.050 EUR einer ungefähren jährlichen Honig-Produktion von durchschnittlich ca. 380 kg gegenüber. Dies ergibt also „faire Kosten“ von ca. 15,92 Euro pro kg Honig oder ca. 7,96 Euro pro Glas mit 500 gr. von Petras leckerem lokalen Honig aus Köln-Vingst.

Natürlich stellt die Imkerei in erster Linie eine Leidenschaft für die Beziehung Biene-Mensch dar. Letztendlich gewinnt aber auch jeder Imker hieraus unterschiedliche Produkte wie Honig, Propolis, Wachs oder Blütenpollen. Und vielleicht regt diese kleine Darstellung doch einmal dazu an nachzudenken, wieso anderer (Bio)-Honig teilweise bis zu 75% günstiger als der Vingster Honig ist – oder alternativ auch einfach einmal Petras lokalen Honig zu probieren….

Was uns noch wichtig ist

Nicht zu vergessen ist auch der indirekte wirtschaftliche Nutzen der heimischen Biene. Nehmen wir alleine die Bestäubungsleistung von bis zu 2000 Blüten je Biene pro Tag für die lokale Landwirtschaft und Obstbauern bis hin zu den Kleingärtnern. Der Kauf unserer heimischen Bienenprodukte ist somit also auch eine allgemeine lokale winwin-Situation. Und das ist eine indirekte “Leistung”, die im Endpreis der Bienenprodukte noch gar nicht zu finden ist und doch geleistet wird und zwar um die heimische Artenvielfalt zu gewährleisten. Denn alleine mit einer menschlichen Handbestäubung wäre dies nicht leistbar und würden sicherlich auch nur die wenigen “existenziellen” Nahrungsmittel bestäubt.

Abschließend gilt es auch noch einmal einen kurzen vergleichenden Blick auf die CO2-Bilanz eines lokalen und eines “normalen” Honigs zu werfen. Ein lokaler Honig kann neben einer besseren Transparenz (“Ich schaue mir meine Honig-Bienen mal live an”) sicherlich auch klimafreundlich punkten, da dieser kein “Mischprodukt” aus diversen Honigen aus EU- und Nicht-EU-Ländern ist (siehe Bild in der Galerie) – so wie dies bei 98% von in jedem “normalen (Bio)Geschäft” erwerblichen Honig üblich ist.

Links

www.vingsterhonig.de

www.facebook.com/vingsterhonig