Collage Neuland Köln, Pflanzstelle Kalk, Obsthain Grüner Weg

Gartenblick im Juli: Biosphäre im Neuland, Sommer im Obsthain und Saatgutsouveränität in Kalk

Noch schnell, bevor der Juli zu Ende geht ein Rundumblick durch die Kölner Gärten. Was ist passiert, was gibt es Neues? Es hat sich einiges getan…

 

Neuland: Geldsegen, ein geodätischer Dom und ganz langsamer Besuch

Zu Beginn des Monats gab es gute Nachrichten für das Kölner Neuland (s.a. Lernen auf der Brache von Martin Herrndorf am 04. Juli): das Projekt wird in den nächsten zweieinhalb Jahren durch den Kölner Klimakreis mit einer Gesamtsumme von 189.030 Euro gefördert und hat dementsprechend auch zwei Stellen ausgeschrieben, die es noch zu besetzen gilt: Ein/e Gartenkoordinator/in und ein/e Buchhalter/in werden gesucht.

Im Stadtwaldholz, der Schreinerei des Kölner Neuland Gründers Wilfried Nißing und der Architektin Sabine Röser, haben Roman und David, zwei Neuländer und Studenten der Köln International School of Design, gemeinsam mit anderen Studenten aus Paletten Pflanz- und Sitzkästen gebaut. Als Gewächshaus wurde ein geodätischer Dom errichtet.

Die Idee zu dem komplexen Konstrukt basiert auf den Ansätzen von Richard Buckminster Fuller, der ein führender Vertreter biomorpher Architektur war. Berühmt wurde er mit seiner „Biosphère“, welche der Ausstellungspavillon der Vereinigten Staaten an der Expo 67 in Montreal war. Seine Entwürfe strebten stets nach energie- und/oder materialeffizienter Konstruktion, basierten auf einfachsten geometrischen Grundkörpern und sind extrem stabil. Alles gute Vorraussetzungen für eine langlebige, nachhaltige Begrünung der  Großstadt. Noch dazu sieht das Endprodukt aus, als könne es auch Kulisse in einem Science Fiction Film sein. Im Rahmen eines urban Gardening Projektes im Kölner Neuland wurden Fullers Ideen Wirklichkeit und sind nun in der KISD am Ubierring zu bestaunen.

Am Monatsende bekam das Neuland dann sehr langsamen Besuch: Slow Food Köln war zu Gast im Garten. Die wissbegierigen Gourmets konnten viel darüber erfahren, wie man sich ein Stück Ernährungssouveränität zurückerobert.

Obsthain Grüner Weg: Sommerfest mit Ringelpietz und ohne Restmüll

Im Obsthain Grüner Weg wurde zum einjährigen Bestehen ein sonniges Sommerfest gefeiert. Der Gemeinschaftsgarten ist ein Projekt zur urbanen Agrikultur vom DesignQuartier Ehrenfeld in Kooperation mit der Kölner Wohnungsbaugesellschaft GAG. Gemeinsam wurde ein „essbarer Garten“ angelegt, der am 22. Juli mit verschiedenen Ausstellungen, Workshops und Vorträgen bespielt wurde.

Neben Entwurfsstudien aus dem Masterstudio Lanschaftsarchitektur der TU Berlin für die GAG-Siedlung „Grüner Weg“ gab es zum Beispiel einen Vortrag über Bienen, Stadtimkerei und Honig „Von der Blume auf’s Brot“. Außerdem konnte man beim Vortrag eines Ethnobotanikers etwas über „Ordnung im Garten – Komplexe Systeme zwischen Natur und  Kultur“ lernen. Als Ausklang konnte man sich zu den Klängen der Balkan-Band La Lengua del Malón an regionalen und saisonalen Speisen und Getränken erfreuen – natürlich serviert in kompostierbarem Geschirr.

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Pflanzstelle Kalk: Ein Jahr Saatgutsouveränität im Kölner Osten

Seit einem Jahr gärtnern Sebastian Edlich, genannt Ed, und die Mitglieder der Pflanzstelle nun in Kalk. In diesem Sommer ernten sie auf dem ehemaligen Gelände des Traktorenherstellers KHD selbstgezogene Auberginen, Schwarzwurzeln, Kohlrabi, Tomaten, Kartoffeln, Kürbisse, Mangold, Pastinaken und Chilis. Außerdem gibt es einen Kräutergarten und seit kurzem Bienenstöcke und Färbepflanzen, mit denen die Spinn- und Färbegruppe Wolle bearbeitet.

Auch der Kalker Garten ist wie der Obsthain und das Neuland als mobiler Garten angelegt, d.h. die Pflanzen und Bäume wachsen nicht direkt im Boden, sondern in Kästen, Containern, Säcken und Autoreifen. Die Gründungsmitglieder um Ed haben sich damals bewußt für einen Garten in Kalk entschieden, da in anderen „hippen, linken Stadtvierteln“ nicht so viel Entwicklung möglich gewesen wäre. Und diese Überlegung ist aufgegangen: Heute gehören zu den Besuchern neben konsumkritischen Freunden aus dem Umfeld der Gründer auch „echte Kalker“, z.B. das Kinderheim Kalk, eine Kindertagesstätte und ein muslimischer Frauenverein, der sich für Sprachförderung einsetzt.

Dank einem Mietvertrag, der im November mit der Stadt ausgehandelt wurde, dürfen die Kalker Gärten vorerst bleiben. Langfristige Ziele sind ein weiterer Ausbau der Vereinsstruktur zur Grundversorgung der Mitglieder und die Motivation anderer Projekte, ähnlich einer Pusteblume, die sich anderswo niederlässt und ausbreitet. Kleines Etappenziel: „…wenn es auf den Kalker Balkons statt der vielen Satellitenschüsseln vermehrt auch Salat gibt.“

In der Presse!

Last but not least: Mehr über NeuLand, Grüner Weg und Pflanzstelle gab es im Juli auch in der stadtrevue zu lesen.