Fairtrade unternehmen!

Fairtrade Unternehmen! Ideen von der ökoRAUSCH

“Fairtrade Unternehmen” war das Motto einer Abendveranstaltung auf der ökoRAUSCH. Im Zentrum stand die Frage, wie sich Fairtrade verbreiten lässt: Wie bekommen wir mehr Unternehmen dazu, mehr Fairtrade-Produkte zu vertreiben? Mit Experten und Arbeitsgruppen haben die Teilnehmer Antworten gesammelt.

Im Rahmen des ökoRAUSCH Festival hat dasselbe in grün e.V. – Verband der nachhaltigen Unternehmen, in Kooperation mit dem Netzwerk Eine-Welt der Stadt Köln, Fairtrade Deutschland und oikos Köln die Veranstaltung “Fairtrade unternehmen” organisiert. Vier Referenten aus Fairtrade-Organisationen, Unternehmen und Wissenschaft haben mit den 72 TeilnehmerInnen im Publikum 2 Stunden lang eifrig diskutiert.

Worum ging es?

Fairtrade – das Prinzip!

Als Auftakt stellte Kathrin Bremer kurz den Ansatz und die Arbeit von Fairtrade Deutschland vor. Dabei machte Sie deutlich, dass Unternehmen sehr unterschiedliche Motivationen haben, fair gehandelte Produkte anzubieten. Kleinere Anbieter, wie das Modelabel ArmedAngels, bauen ihr Konzept komplett auf Fairtrade auf – größere Unternehmen dagegen bieten Fairtrade vor allem dann an, wenn Verbraucher es konkret nachfragen. Mittlerweile berücksichten Unternehmen zudem den Imageschaden, wenn sie das Thema nicht beachteten und in ihr Portfolio integrieren.

Fairtrade – ein Element von Nachhaltigkeit

Als zweite stellte Sabine Lydia Müller, Gründerin & Vorstand von dasselbe in grün e.V. vor, wie die Unternehmen in ihrem “Verband der nachhaltigen Unternehmen” das Thema angehen. Fairtrade ist für die Unternehmen im Verband dabei nur eine Option, die ökologische, soziale und ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit umzusetzen. Dabei spielt ‘Fairness’ ein wichtige Rolle nicht nur in der Beziehung zu Lieferanten in Entwicklungsländern, sondern auch in der Bezahlung von Mitarbeitern und Praktikanten oder Geschäftspartnern. Im Verein sind vor allem kleinere Unternehmen organisiert, die  Fair-Trade Produkte anbieten –  wie zum Beispiel das Baobab-Getränk Baola, oder den Green Guerrilas Store, der Produkte aus biologischer Baumwolle und, zumindest teilweise, mit Fair-Trade Zertifizierung anbietet.

Fairtrade – eine ethische Haltung

Als drittes trug Martin Keß vor. Der Gründer der Van Dyck Rösterei bietet in seiner Bio-Rösterei fair gehandeltem Kaffee und Espresso im Online-Shop und einer Espressobar in der Körnerstraße in Köln-Ehrenfeld an. Er betont, dass er seine Überzeugungen als Unternehmer nicht von seinen privaten Einstellungen trennen kann und will. Er will das, was ihm privat wichtig ist, auch konsequent in seinem Geschäftskonzept umsetzen: Nur Bio, Nur Fairtrade, aber das auf höchsten gastronomischen Niveau. Dabei hat der Van Dyk Kaffee kein sichtbares Fairtrade-Siegel, weil bis heute viele mit dem Siegel die schlechte Qualität früherer Fairtrade Kaffees verbinden. Zwar sei Qualität und Auswahl heute sehr gut, aber das schlechte Image früherer Zeiten würde sich halten.

Fairtrade – zur Produktdifferenzierung?

Den letzten Impuls gab Nina Langen von der Universität Bonn. Ihre Studien haben nicht bestätigt, dass Konsumenten generell davon ausgehen, Fair Trade Kaffee schmecke nicht. Sie plädierte dafür, den Konsumenten so zu nehmen, wie er ist, nämlich mit unterschiedlichen Präferenzen. Die beste Marketingstrategie sei es, verschiedene Prokukte einer Produktgruppe anzubieten. Dem widersprach Martin Keß: Wer einmal verstanden habe, dass Kinderarbeit, unfaire Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne nicht mit seinen moralischen Ansprüchen vereinbar sind, der könne keine Produkte anbieten, die unter solchen Arbeitsbedingungen entstanden seien.

Die Resultate der Arbeitsgruppen

Nach den Impulsen erarbeiteten die Teilnehmer in vier Arbeitsgruppen dann, mit jeweils einem der Referenten sowie einem Studierenden von oikos Köln, gemeinsam Ideen, wie Fairtrade weiter im Markt verbreitet werden kann.

Die Arbeitsgruppen präsentieren sich.

Die Arbeitsgruppen präsentieren sich.

Hierbei gab es durchaus unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Ansätze.

So hat eine Gruppe nach regulatorischen Rahmenbedingungen gesucht – soll der Staat die Verbreitung von Fairtrade Produkten fördern? Oder sollten Gesetze direkt an den Arbeitsbedingungen und globalen Ungleichheiten ansetzen? Auch neue Konzepten wie das der Gemeinwohlökonomie wurden diskutiert.

Dieselbe Gruppe wollte auch mit Aktionen auch einen kritischen Blick auf Unternehmen werfen, die sich noch nicht oder zu wenig mit Fair-Trade beschäftigen. Auch gab es die Idee einer “guten Lobby”, in der sich Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenschließen, die sich aktiv für die Verbreitung von Fair-trade einsetzen.

Andere Gruppen haben an den Fairtrade-Produkten selber angesetzt – und gefragt, wie sich diese “cooler” und für den Markt passender gestalten lassen. Wie lässt sich kommunizieren, das Fairtrade-Produkte heute die gleiche, oder sogar eine höhere Qualität haben? Lassen sich der öko-sozialer Anspruch und hohe Produktqualität auch konsistent in der Verpackung und der Vermarktung kommunizieren? Welche Rolle spielen Emotionen und die Präsentation von Produkten bei der Kaufentscheidung?

Quer durch die Gruppen ging es auch darum, wie Konsumenten durch Bildung aufklären lassen – und zwar sowohl über die Bedingungen in der Produktion “normaler” Produkte, als auch über die Chancen und Möglichkeiten von Fairtrade.

Ein Fazit?

(M)Ein Fazit? Das Fairtrade-Konzept hat einen langen Weg hinter sich. Aus der sozial bewegten Nische (die weiter existiert) hat es neue “Heimaten” gefunden – vom Gourmet-Zirkel bis zum Massen-Discounter.

Beides hat seinen Reiz und seine Risiken. Die Gourmet-Zirkel können helfen, die Wahrnehmung mangelnder Qualität von Fairtrade-Produkten zu überwinden – aber auch das “elitäre” Image von Fairtrade stärken. Discounter sorgen vor allem für Masse und machen die Konzepte breit bekannt. Allerdings, wie Kathrin Bremer betonte, gibt es durchaus die Befürchtung dass sich Discounter in Zukunft  vom Siegel selbst abkehren könnten, um eigene Waren mit geringeren Standards als “faire” Produkte anzubieten.

Die Veranstaltung hat gezeigt, das eine Diskussionen über die Grenzen der mittlerweile existierenden “Fairtrade-Szenen” möglich ist. Und ich bin gespannt, wo das Konzept als nächstes auftaucht!