Die Rosinenpicker – über Mobilität im Masterplan

Die Rosinenpicker – über Mobilität im Masterplan

Köln hat keinen Plan? Im Gegenteil: Köln hat einen “Masterplan” für die Innenstadt – ein hübsches, rotes Büchlein im Leinenband, bezahlt von privaten Sponsoren, erstellt von einem renommierten Architekturbüro und in Politik und Verwaltung bekannt. Dieser Plan wird auch umgesetzt – in Teilen! Unter den Tisch fallen die wichtigen Schritte hin zu einer nachhaltigen Mobilität.

Es geht voran!

Die Stadt braucht Erfolge – und Baudezernent Höing freut sich, diese im gemütlichen und gut gefüllten HDAK-Kubus im Neumarkt zu verkünden. Zahlreiche Projekte aus dem Masterplan gehen der Umsetzung entgegen. Dabei macht er seinem Titel alle Ehre: Es geht ums Bauen. Ob Mülheimer- oder Deutzer Hafen oder im ehemaligen “Euroforum” – viele bunte und durchaus inspirierende Bilder gibt es zu sehen. Dabei sind manche dieser Vorhaben im Masterplan erst als “Option” für die Zeit “15 Jahre plus” vorgesehen. Aber auf den Flächen  können tausende Wohnungen entstehen, und die werden auch dringend benötigt in der wachsenden Stadt. Auch die Investoren freuen sich, wenn sie in Niedrigzinszeiten ihre Millionen in zentralen, umfangreichen und gut vermarktbaren Bauprojekten geparkt bekommen.

Aber nicht überall.

Doch an anderen Stellen im Masterplan klemmt es. Und dabei geht es ganz oft um ein Thema: Mobilität.

Denn das, was der Plan hier fordert, wären deutliche Schritte hin zu einer “nachhaltigen Mobilität”, und die gehen ans Eingemachte. Eine autofreie Innenstadt ist zwar nicht dabei, dafür die folgenden Ideen:

  • Weite Teile der “Kerninnenstadt” sollen in “Mischverkehrszonen” umgewandelt werden, in denen Autos, Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt verkehren. Bisher gibt es diese kaum, stattdessen nominieren klassische “Trennstraßen” das Bild (enger Bürgersteig, Bürgersteigparken, Fahrbahn).
  • Auf den Ringen soll im ursprünglichen Master fast durchgängig eine Autospur umgewidmet werden und damit wegfallen. Die Beispielzeichnungen zeigen es klar: Aus vier- werden zweispurige Straßen, stattdessen gibt es breitere Bürgersteige und eine bessere Radinfrastruktur. Links- und Rechtsabbiegespuren fallen weg, der Autoverkehr passt sich dem urbanen Raum an und nicht umgekehrt.
  • An verschiedenen Stellen sollen Plätze vom Autoverkehr befreit und aufgewertet werden. Dies gilt für den Neumarkt, der nur noch auf der Südseite befahrbar sein soll, aber auf für den Heumarkt, bei dem die auf der Nordseite bestehende Platzanlage (momentan mit Eislaufbahn) auf der Südseite vor dem Maritim und bis zur Malzmühle fortgeführt werden soll. Heute dominieren dort noch großzügig geführte Autostraßen, diese sollen schrumpfen und an den Rand rücken, auch hier würden freilaufende Rechtsabbieger zurückgebaut. Auch die Plätze am Ring sollen umgestaltet werden.
  • Auch die Brückenauf- und abfahrten sollen entschlackt werden – wie die “ringförmige” geführten Linksabbieger auf beiden Seiten der Severingsbrücke. Hier entstehen Freiräume, für Grünflächen oder Neubauten, sowie neue und attraktive Durchgänge, zum Beispiel vom Gotenring in Deutz runter zum Rhein.

Die oben genannten Maßnahmen sollten nach dem im Masterplan enthaltenen Zeitplan teilweise deutlich vor den neuen Großprojekten umgesetzt werden. Gerade aber für die Neugestaltung der Ringe wird das auf absehbare Zeit nicht passieren, wie Baudezernent Höing auf der HDAK-Veranstaltung mitteilte.

Die Verzögerung bei den Verkehrsmaßnahmen ist insofern problematisch, als dass die neuen Stadtteile in die bestehende autogerechte Stadt hineingesetzt werden. Aber tausende neue Autos hält die Innenstadt nicht aus – schon jetzt verstößt Köln gegen seine Lärm-, Klima- und Feinstaubziele, und der Autoverkehr spielt hier eine Schlüsselrolle. Von der Stau- und Raserproblematik gar nicht zu sprechen.

Und jetzt?

Wir haben Glück – zum einen ist es noch nicht zu spät, auch die mobilitätspolitischen Maßnahmen endlich umzusetzen.

Zum zweiten bieten das heute Abend vorgestellt “Radverkehrskonzept Innenstadt” die Chance, diese aus einem zweiten Blickwinkel zu legitimieren und Ressourcen bereitzustellen. Viele der hier vorgestellten Maßnahmen bieten Schnittstellen zum Masterplan – die Radstraßen zu den Mischverkehrsflächen, eine adäquate Radverkehrsführung auf den Ringen zur dort auch aufgrund einer bis heute nicht umgesetzten Reform der StVo aus dem Jahr 1997 anstehenden Neugestaltung.

Zum dritten kosten manche Maßnahmen noch nicht mal nicht besonders viel Geld – wenn man sie pragmatisch plant und umsetzt. Der Masterplan sieht Baumfällungen und Neupflanzungen über weite Strecken des Rings vor. Diese kann man sich sparen, wenn man einfach (wie im Zehn-Punkte-Plan des ADFC gefordert) die rechte Autospur zu einer Fahrradspur umwidmet und die bestehenden Park- und Haltezonen umwidmet.

Die hierfür benötigten Planungen und Fahrbahnmarkierungen und Neubeschilderungen dürften für die Ringe im unteren sechsstelligen Bereich liegen – die Umprogrammierung von Ampeln inklusive. Also, etwa so viel wie die Umsetzung der Kreuzblume oder ein Vormittag (!) Bühnensanierung. Auch soll Köln demnächst einen Verkehrsdezernten bekommen, der solche Projekte konzentriert angehen könnte.

Also, nur Mut! Ran an den Masterplan!