Der drittwärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1761

Der drittwärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1761

War das wirklich ein Winter?

Jedenfalls war der Winter 2013/2014 der drittwärmste in Mitteleuropa seit Beginn der Aufzeichnungen vor 252 Jahren. Lediglich 2006/2007  und 1989/1990 war es noch wärmer als in diesem Winter.

Die Baur’sche Temperaturzeitreihe

Diesmal möchte ich euch etwas Interessantes aus meinem eigentlichen Arbeitsgebiet der Meteorologie mitteilen. Wir haben am Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln die Temperaturen des Winters 2013/2014 ausgewertet. Die Temperaturwerte beziehen sich auf eine Auswertung des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin und gehen auf den ehemaligen Prof. Baur zurück. Die sog. Baur’sche Temperaturzeitreihe umfasst den Durchschnit der Monatsmitteltemperaturen der Wetterstationen von De Bilt, Potsdam, Basel und Wien. Warum diese vier Stationen? Nun, für diese Stationen liegen Temperaturzeitreihen bereits seit dem Jahr 1761 vor. Weltweit existieren lediglich für Mittelengland länger zurück reichende Zeitreihen, die auf Quecksilberthermometern beruhen. Wir haben also nun die Mitteltemperaturen für den Dezember, Januar und Februar verwendet, um zu berechnen, welche Mitteltemperatur im Winter 2013/2014 in Mitteleuropa herrschte. Dann haben wir geschaut wie groß die Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittel ist (Bezugszeitraum: 1761-1970). Darüber hinaus steht noch eine Niederschlagszeitreihe seit 1851 zur Verfügung.

Das Ergebnis

Was haben wir nun herausgefunden? Der Winter 2013/2014 weist eine Temperaturabweichung von +3,9°C auf und ist damit der drittwärmste Winter seit 1761/1762. Der wärmste Winter war übrigens der von 2006/2007, da ist der Orkan Kyrill durch Mitteleuropa gezogen. Auch der zweitwärmste Winter war durch eine Sturmserie geprägt. In diesem Winter 1989/1990 zogen Daria, Vivien und Wiebke über uns hinweg. Die einzelnen Monate könnt ihr euch übrigens auch für Köln genauer anschauen und zwar in der Köln-Wahn-Statistik. Richtig starke Orkane werdet ihr für den letzten Winter diesmal nicht finden. Da hatten wir wohl Glück!

Die Natur spielt verrückt

Ihr habt bestimmt mitbekommen, dass es auch in Köln ungewöhnlich warm war. Im Gartenbahnhof Ehrenfeld blühte beispielsweise der Senf noch im Januar. Im Februar kamen bereits der Pflücksalat aus der Erde. Dieser hatte sich 2013 selbst ausgesät und so konnten die GärtnerInnen bereits im März Salat ernten. Außerdem haben Ringelblumen den ganzen Winter durchgeblüht und die Natur war insgesamt etliche Wochen früher dran als üblich. Schon bereits seit einigen Tagen blüht der Flieder, der normalerweise erst im Mai aufblüht. Der warme Winter hatte also auch deutliche Auswirkungen auf die Natur!

Wie geht es nun weiter?

Werden solche Winter die Regel werden? Tja, das ist eine gute Frage, die auch der Fünfte Sachstandsbericht des IPCC nicht genau beantwortet! Im Mittel wird es jedenfalls deutlich wärmer aber das bedeutet nicht, dass es nicht auch mal kalte Winter geben kann. Nach dem relativ kalten Winter 2009/2010 (die Abweichung beträgt in der Baur-Zeitreihe gerade mal -0.1°C) dachten viele schon der Klimawandel sei vorbei.

Vielleicht wird zukünftig die Variabilität größer? Es könnten also größere Ausschläge nach oben und unten auftreten. Woran liegt das nun wieder? Nun, der Klimawandel verändert die atmosphärische Zirkulation! Das Meereis über der Arktis schmilzt zusehens, der Temperaturunterschied zwischen den mittleren und polaren Breiten nimmt ab und auch in der oberen Troposphäre (7-11 km) verändern sich die Strahlströme. Das führt vielleicht dazu, dass die Luftmassen ggf. zukünftig mal gehäufter aus dem Westen, vom warmen Nordatlantik, oder eben aus dem Norden, aus den kalten polaren Breiten, zu uns strömen. Dann würde es im ersten Fall einen warmen Winter und im anderen Fall einen kalten Winter ergeben. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob sich möglicherweise der Golfstrom abschwächt. Das würde bedeuten, dass die Warmwasserheizung Europas schwächeln würde. Ihr seht, das Klima aus dem Takt zu bringen, ist gefährlich!

Mit Spaß lässt sich viel erreichen

Ein Grund mehr, dass wir uns beim Klimaschutz anstrengen. Tut etwas für eine lebenswertere Stadt und eure Gesundheit und fahrt mehr Fahrrad, endeckt leckere vegetarische und vegane Gerichte, bereist Europa mit dem Zug, habt Spaß beim Teilen von Dingen, steigt um auf echten Ökostrom und spart Heizkosten, wenn ihr euch in eure Lieblingsdecke kuschelt. Im “Köln kann nachhaltig“-Blog und im Veedelfunker bekommt ihr noch mehr Tipps, wie sich der Klimawandel abbremsen lässt. Und das meiste davon macht richtig viel Spaß!