Zu Besuch bei ... cambio

Zu Besuch bei … cambio

Angefeuert durch einfache Online-Buchungstools und Apps sowie chronischen Parkplatzmangel ist das Thema Car Sharing mittlerweile für viele Kölner eine echte Alternative zur Nutzung des eigenen Fahrzeugs geworden. Dem geneigten “Autoteiler” stehen dazu verschiedene Anbieter zur Verfügung. Wir haben uns mit Tanya Bullmann getroffen, die Marketingleiterin bei cambio ist, und darüber gesprochen, warum sich cambio nachhaltigen Grundsätzen besonders verpflichtet fühlt und wie der Dienst zu einem zeitgemäßen und alternativen Mobilitätsmix in Köln beitragen kann.

Was ist cambio eigentlich?

cambio wurde 1992 unter dem Namen “Stattauto Köln” von drei Enthusiasten gegründet, die der Meinung waren, dass es zu viele Autos in unserer Stadt gibt. Ende der 90er Jahre wurde das Konzept Car Sharing dann immer beliebter und im Jahr 2000 taten sich die Kölner mit Gleichgesinnten aus Aachen und Bremen zusammen und cambio wurde geboren. Übersetzt heißt cambio übrigens “Wechsel” – weg vom eigenen Auto hin zu einer neuen Mobilität. Inzwischen sind wir in 19 Städten in Deutschland und 25 Städten in Belgien vertreten.

Wie funktioniert das Car Sharen bei cambio?

Aktuell gibt es in Köln 70 cambio-Stationen, an denen zuvor gebuchte Autos ausgeliehen und zurückgebracht werden können. Das Buchen ist online, telefonisch oder per App möglich. Jedes Auto ist an eine bestimmte Station gebunden – der Vorteil hierbei ist, dass man immer einen Parkplatz bekommt. Da 90 Prozent unserer Stationen privat angemietet sind, sieht man sie oft nicht, weil sie sich zum Beispiel in Tiefgaragen befinden.

cambio

Was unterscheidet cambio von anderen Car Sharing-Anbietern wie DriveNow oder car2go?

cambio kommt ursprünglich aus der Umweltbewegung und daher fühlen wir uns deren Überzeugungen immer noch sehr verpflichtet. Die Vision, die uns antreibt ist ganz klar, den Verkehr in der Stadt zu reduzieren. Unsere Kundenumfrage zeigt, dass ein cambio-Auto elf Privatfahrzeuge ersetzt. Der Unterschied zu den Free Floatern wie DriveNow und car2go besteht hauptsächlich in der Nutzungsart: Unsere Autos werden augrund der Vielfalt der Autotypen, den reservierten Stellplatz und die Planbarkeit eher als Autoersatz genutzt, die täglich Wege machen die Kunden mit Bus, Bahn und Fahrrad. Durch die Planbarkeit unseres Modells, können die Nutzer ihr eigenes Auto abschaffen – denn unsere Fahrzeuge kann man bis zu 180 Tage kostenfrei im Voraus reservieren. Bei uns gibt es übrigens auch kein Geschäftsgebiet, das heißt die Kunden können im Buchungszeitraum fahren wohin sie möchten – sei es in andere Städte oder ins Ausland.

Die Free Floater werden eher wie Taxis genutzt, etwa für die Einwegfahrt zum Flughafen. Insofern ergänzen sie unser Modell, da sie Fahrten abdecken, die mit uns nicht möglich sind. Allerdings gibt es durch die Free Floater und deren Geschäftsgebiet-Fokussierung auf die Innenstadt leider auch den Trend, dass sich der Verkehr dort eher erhöht als reduziert. Die Leute fahren nicht mehr mit dem Rad oder der Bahn zum Shoppen oder zum Barbesuch – etwa weil es regnet oder gerade bequemer ist – sondern mit dem Free Floater. Dieser Effekt wird mit der freien Parkmöglichkeit in der Innenstadt noch verstärkt.

Wie trägt cambio zu einer nachhaltigeren Mobilität in Köln  bei?

Wir stehen in engem Kontakt zu großen öffentlichen Trägern wie zum Beispiel der Stadt Köln, der Caritas, dem Bistum und der Diakonie und realisieren darüber hinaus Projekte mit der KVB und der RheinEnergie. Die Kooperation mit der KVB besteht sogar schon seit dem Jahr 1999. Seit ein paar Tagen sind alle KVB-Kundencenter auch gleichzeitig cambio-Vertriebscenter und wir bieten einen besonderen Tarif für KVB-Abokunden an. Ziel ist es, den Mobilitätsverbund zwischen ÖPNV und Auto zu fördern. Und tatsächlich steigt die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln bei unseren Kunden im ersten Jahr um ganze 40 Prozent! Gleichzeitig sinkt die Autonutzung. Die Kooperation mit der RheinEnergie dreht sich um E-Autos, die mit 100 Prozent Ökostrom betrieben werden.

cambio Mobilitätsverbund

In welchen konkreten Maßnahmen drücken sich die ökologischen Grundüberzeugungen von cambio aus?

Es fängt damit an, dass die meisten unserer Mitarbeiter mit dem Rad zur Arbeit kommen, wir Strom von Greenpeace Energy beziehen, unseren Bürobedarf beim nachhaltigen memo-Shop bestellen und Mitglied im Verband dasselbe in grün sind. Und natürlich gelten auch für unsere Autos besondere Richtwerte – die komplette Flotte ist mit dem Blauen Engel sowie nach dem Cleaner Car Contract zertifiziert und wir haben erst Dieselfahrzeuge in unseren Pool aufgenommen als es entsprechend gute Partikelfilter gab. Auch die Art und Weise wie wir unsere Dienstleistung aufsetzen, zeigt unsere Überzeugung: so gibt es bei uns zum Beispiel keinen günstigeren Tarif, wenn man mehr Kilometer zurück legt. Darüber hinaus regen wir Diskussionen zu verkehrspolitischen Themen an und setzen uns beispielsweise für Tempo-30 in der Stadt ein.

Mit welchen Schwierigkeiten hat cambio zu kämpfen?

In jeder neuen Stadt, die wir erschließen möchten, gilt es erst mal den Menschen unser Konzept begreiflich zu machen und zu zeigen, dass es Alternativen zum eigenen Auto gibt. Hinzu kommt, dass wir Stellplätze bekommen müssen, das ist oft gar nicht so einfach. In Bonn komme ich mir in manch einer Diskussion so vor, als wäre es noch 1990 – wenn mir zum Beispiel ein Parkhausbetreiber sagt, dass er uns keinen Stellplatz vermieten möchte, weil dieser dann in der Weihnachtssaison für einen Shopper aus Siegburg nicht zur Verfügung stünde. In Köln hat sich hingegen in den letzten Jahren in den Köpfen der Bürger und bei der Stadtverwaltung wahnsinnig viel getan.

Was waren die schönsten Erfolgserlebnisse der letzten Zeit?

Wir freuen uns sehr, dass wir die bereits angesprochene KVB-Kooperation ausbauen konnten. Außerdem haben wir vor Kurzem gemeinsam mit der Stadt Köln ein EU Projekt gewonnen, dass eine neue Mobilität in Mühlheim zum Ziel hat und “Grow Smarter” heißt. Auch die neue Kooperation mit der Uni Bonn, mit besonderen Tarifen für Studenten und Mitarbeitern, sowie die Erweiterung nach Hürth, sind Highlights gewesen.