Ehrenfeld kann nachhaltig: Café Rotkehlchen

Ehrenfeld kann nachhaltig: Café Rotkehlchen

Das Cafè RotkehlchenMit Jeans und Kapuzenpulli hat Katja ‘Kete’ Preising vor ihren Bankberatern gesessen. Und die Herren in Nadelstreifen hat ein Ziel in dem Businessplan vom Café Rotkehlchen ziemlich verblüfft: Der Punkt ‘Glücklich sein’. Das hatten die Geldgeber bis dato so noch nicht gehört, und es hat sie so sehr beeindruckt, dass sie direkt unterschrieben haben. Und damit konnte das Rotkehlchen loszwitschern.

Aber den eigentlichen Plan für das Café hatte Kete, wie sie alle nennen, schon ganz lange in der Schublade liegen. Vor zehn Jahren hat sie angefangen, ihr Leben danach auszurichten: Hotelfachschule, Ausbildung und dann das Arbeiten in verschiedenen Cafés und Bars in Köln. Eine wichtige Sache, ein Lebenskonzept, hat sie während ihres Australientrips kennengelernt: Geben und Nehmen. Sie hat den Kontinent bereist, auf einer Farm gearbeitet, dort nette Menschen kennengelernt, die ihr wiederum das Land gezeigt und viel ermöglicht haben – ein freiwilliges Tauschgeschäft und eine Win-Win-Situation für alle.

Wieder zurück im kalten Deutschland war schnell klar, dass etwas Eigenes her muss. Es sollte ein Laden sein, bei dem es nicht um maximalen Gewinn geht, sondern vor allem um eine gute Arbeitsatmosphäre und um ein respektvolles Miteinander.

Cafè Rotkehlchen innenSo ist eins zum anderen gekommen, und seit Februar hat das Rotkehlchen ein Nest in der Venloer Straße 400. Bei Kete gibt’s Frühstück und Mittagstisch, Kaffee und Kuchen. Klingt nach Standard, aber ist nicht so. Denn mit den Produkten, die sie nutzt, unterstützt sie die kleinen Betriebe aus der Nachbarschaft. Zum Beispiel bezieht sie den Kaffee von der Kaffeerösterei Schamong und die Brötchen von der Bio-Bäckerei Schragen. Die 27- jährige verarbeitet dabei nicht nur Bio-Waren. Und das ganz bewusst, denn sie möchte, dass sich jeder einen Besuch bei ihr leisten kann, da soll keiner ausgeschlossen werden, weil er zu wenig Geld hat.

Kete ist ganz gut im Kalkulieren, sie wirft wenig Lebensmittel weg. Und auch aus vermeintlichem Müll entsteht was Neues. Aus den leeren Milchtüten bastelt das Colabor regelmäßig Blumenkästen. Das ist für Kete ein wichtiger Teil ihres Konzepts: Vernetzung. Ein gutes Miteinander und faire Bezahlung der Mitarbeiter gehören auch dazu. Im Rotkehlchen arbeiten sechs Leute und es geht familiär zu. Das soll auch so sein, ist Teil des Images, das sie nach außen transportieren sollen.

Viele sagen, “irgendwas ist es hier anders, aber ich weiß nicht genau was es ist” — das strahlt ganz klar nach außen, wenn sich alle Beteiligten wohl fühlen und es viel Platz für kreative Ideen gibt. Und es ist das, was die Leute gerne mögen: Eine heimelige Atmosphäre – und die ist nicht nur durch die schicke Stehlampe im Eck gemacht. Da läuft vieles zusammen: Es geht um ein Bewusstsein, das eben vom Nachhaltigkeitsgedanken geprägt ist. Für ein besseres Leben, für alle am Projekt Beteiligten.

 

Ein Gastbeitrag von ehrenfeld-bloggt.de – die sich unter dem Label “ehrenfeld kann nachhaltig” mit öko-sozialem im Veedel beschäftigen. Wir dürfen cross-posten, und freuen uns!